Donnerstag • 25. Mai
Ludwigshafen
11. Mai 2017

Kopten wollten mit gefälschten Haftbefehlen Abschiebung verhindern

Die Familie wurde inzwischen nach Ägypten abgeschoben. (Symbolbild) Foto: picture-alliance/DPA
Die Familie wurde inzwischen nach Ägypten abgeschoben. (Symbolbild) Foto: picture-alliance/DPA

Ludwigshafen (idea) – Mit Bestürzung hat der Integrationsbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz und deren Diakonie, Reinhard Schott (Speyer), auf die Nachricht reagiert, dass eine koptische Familie mit gefälschten Haftbefehlen aus ihrer Heimat Ägypten eine Abschiebung aus Deutschland verhindern wollte. Die Stadtmission Ludwigshafen hatte den Schutzsuchenden – einem 32-jährigen Ägypter, dessen 26-jähriger Ehefrau und der sechsjährigen Tochter – seit Ostern Kirchenasyl gewährt. Eine Überprüfung der Dokumente ergab nun, dass es sich um „Totalfälschungen“ handelte. Die Familie wurde während des Prüfverfahrens durch die Deutsche Botschaft in Kairo am 9. Mai von der Polizei mit dem Flugzeug in ihre Heimat zurückgebracht. Die Kopten waren 2013 nach Deutschland gekommen, weil sie in Ägypten angeblich verfolgt wurden. Der erste Asylantrag der koptischen Familie war bereits im Januar 2016 abgelehnt worden. Beim Folgeantrag legten sie angebliche Haftbefehle der dortigen Behörden gegen den Mann vor, unter anderem wegen Missionierung und Missachtung des Propheten Mohammed. Nach der wiederholten Ablehnung und der geplanten Abschiebung flüchtete sich die Familie im April ins Kirchenasyl. Wie Schott der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, habe er sich vehement für die Familie eingesetzt. Jetzt sei die Enttäuschung nicht nur bei ihm, sondern auch bei den Helfern der Stadtmission groß. Gleichwohl will sich Schott weiter für das Kirchenasyl einsetzen: „Die Abschiebung von Christen nach Ägypten ist nicht verantwortbar, da dort der Staat die Religionsfreiheit und die Sicherheit der Christen nicht garantieren kann.“ Zurzeit gewährt die Evangelische Kirche der Pfalz vier Schutzsuchenden Unterschlupf.

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