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Angriff auf Idlib
13. September 2018

Hilfsorganisationen warnen: In Syrien droht humanitäre Katastrophe

Der syrische Präsident Baschar al-Assad droht, die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens einzunehmen. Foto: picture-alliance/AP Photo
Der syrische Präsident Baschar al-Assad droht, die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens einzunehmen. Foto: picture-alliance/AP Photo

Berlin/Idlib (idea) – Hilfsorganisationen und Sicherheitsexperten warnen vor einer humanitären Katastrophe in der Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten Syriens. Die Provinz ist das letzte größere Gebiet, das noch von Aufständischen gehalten wird. Der syrische Präsident Baschar al-Assad droht, sie einzunehmen, und hat zuletzt gemeinsam mit Verbündeten verstärkt Angriffe fliegen lassen. Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel (Berlin), sagte, dass eine militärische Offensive das Leben von drei Millionen Menschen akut bedrohe. Hunderttausende Syrer hätten in der Provinz in den vergangenen Jahren Schutz gesucht und seien schon jetzt unterversorgt. Die Vereinten Nationen schätzten, dass eine Offensive bis zu 700.000 Menschen in Idlib zur Flucht zwingen könnte. Alle am Krieg beteiligten Parteien sollten darum die Kampfhandlungen einstellen, forderte Füllkrug-Weitzel. Der Leiter für die Internationale Zusammenarbeit beim Deutschen Roten Kreuz (Berlin), Christof Johnen, warnte, dass bei einem möglichen Angriff eine Evakuierung der Stadt kaum möglich sei. Zuvor seien evakuierte Menschen nach Idlib gebracht worden, sagte er der „Heilbronner Stimme“: „Ein solches Abkommen ist bei den Kämpfen um Idlib nicht möglich, weil es keine Rückzugsgebiete mehr für die Opposition gibt.“

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Unter den Opfern sind auch Christen

Zwischen die Fronten geriet auch die von Christen bewohnte Kleinstadt Mhardeh in der Nachbarprovinz Hama. Bei einem Angriff kamen mindestens neun Menschen ums Leben. Laut der Stiftung „Pro Oriente“ (Wien) hatte niemand damit gerechnet. Die syrische Kleinstadt Mhardeh liegt nordwestlich der Stadt Hama am Orontes-Fluss. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte den Angriff und sieht einen Zusammenhang mit der aktuellen Offensive der Regierungstruppen in Idlib. Mhardeh ist von mehreren von Rebellen kontrollierten Dörfern umgeben. Wie der Bürgermeister des Ortes, Simon Yousef al Khoury, gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte, sind seit 2011 8.000 Raketen und Granaten in Mhardeh eingeschlagen.

Wolfgang Ischinger warnt vor „Flüchtlingswelle“

Laut dem Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, handelt es sich bei den Kämpfern in und um Idlib um „bösartige Kriminelle“. Die muslimischen Extremisten verschanzten sich hinter der Zivilbevölkerung. Die Situation sei schwierig. Auf der einen Seite verdienten es die Extremisten nicht, geschützt zu werden. Aber andererseits dürfe der Westen aus humanitären Gesichtspunkten nicht tatenlos zuschauen. Greife die syrische Armee an, könnten Tausende umkommen und eine neue Flüchtlingswelle entstehen, befürchtet Ischinger.

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