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Großbritannien
03. April 2019

Abgelehnter Asylantrag eines Christen sorgt für Kritik

Großbritannien und London sind geprägt durch christliche Kirchen, wie die St Paul´s Cathedral. Foto: pixabay.com
Großbritannien und London sind geprägt durch christliche Kirchen, wie die St Paul´s Cathedral. Foto: pixabay.com

London (idea) – In Großbritannien hat ein Sachbearbeiter des Innenministeriums den Asylantrag eines iranischen Christen mit der Begründung zurückgewiesen, das Christentum sei nicht friedlich, sondern blutrünstig. Dies löste heftige Kritik in den Sozialen Medien und in der anglikanischen Kirche aus. Wie die britische Tageszeitung „Daily Mail“ berichtet, hatte der bekennende Christ und Rechtsbeistand des betroffenen Iraners, Nathan Stevens (London), den Fall auf Twitter bekanntgemacht. In dem teilweise veröffentlichten Schreiben der Behörde vom Februar 2019 führt der Sachbearbeiter eine Reihe von Bibelversen – unter anderem aus dem Alten Testament und der Offenbarung des Johannes – auf, die den gewaltsamen Charakter des christlichen Glaubens zeigen sollen. Dann schlussfolgert er: Diese Beispiele widersprächen der Behauptung des Asylbewerbers, er sei Christ geworden, nachdem er herausgefunden habe, dass es sich beim Christentum um eine friedliche Religion handele – „im Gegensatz zum Islam, der Gewalt, Wut und Rache enthält“. Diese Begründung kommentierte Stevens auf Twitter: „Wie kann ein Regierungsbeamter etwas willkürlich aus einem heiligen Buch herausgreifen und dann dazu verwenden, die zutiefst persönliche Entscheidung, einem anderen Glauben zu folgen, zu zerlegen?“ Ein Sprecher des Innenminsteriums räumte ein: „Dieser Brief entspricht nicht unserem politischen Ansatz bezüglich Anträgen, die auf religiöser Verfolgung basieren.“ Es kündigte an, den Fall erneut zu prüfen. Nach Ansicht des anglikanischen Bischofs von Durham, Paul Butler, gibt es ein Problem in der „religiösen Alphabetisierung“ der Mitarbeiter des Innenministeriums: „Ich bin sehr besorgt darüber, dass eine Regierungsabteilung die Zukunft eines anderen Menschen aufgrund eines derartig tiefen Missverständnisses der Texte und Praktiken von Glaubensgemeinschaften bestimmen könnte.“ Das Innenministerium habe aber erkannt, dass diese Entscheidung nicht mit seinen Richtlinien vereinbar sei und seine Mitarbeiter eine bessere Ausbildung benötigten.

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Zweiter Fall: Glaube einer Iranerin sei „halbherzig“

Stevens veröffentlichte kurz darauf einen ähnlichen Fall einer Klientin. Der Asylantrag der iranischen Christin war ebenfalls abgewiesen worden. Nach Ansicht des Sachbearbeiters sei ihr Glaube an Jesus „halbherzig“, weil sie nicht glaube, dass er sie im Iran vor dem dortigen Regime beschützen könne. Die Frau erklärte dazu in einem Interview mit einem BBC-Radiosender, sie sei im Iran Christin geworden. Als die Regierung sie ins Visier nahm, habe sie fliehen müssen. „Wenn jemand in meinem Land zum Christentum konvertiert, wird das mit dem Tode bestraft“, so die Iranerin. Der für sie zuständige Sachbearbeiter sei sehr jung und unerfahren gewesen. In einem Gespräch habe er ihr gesagt, er glaube, dass sie keine richtige Christin oder ihr Glaube einfach halbherzig sei. „Ich denke nicht, dass er mich gerecht behandelt oder fair entschieden hat. Er hat meinen Glauben, mich selbst und das, was ich über Jesus gesagt habe, nicht verstanden“, so die Frau.

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