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Weltfamilienkongress
01. April 2019

Für eine Familie aus Vater, Mutter und Kindern

Der italienische Innenminister und Vizeministerpräsident Matteo Salvini. Foto: picture-alliance/ROPI
Der italienische Innenminister und Vizeministerpräsident Matteo Salvini. Foto: picture-alliance/ROPI

Verona (idea) – Zehntausende Italiener beteiligten sich am 31. März in der norditalienischen Stadt Verona an einer Demonstration für die traditionelle Familie und gegen Abtreibungen. Mit dem Marsch endete der „Weltkongress der Familie“ vom 29. bis 31. März einer gleichnamigen US-Organisation. Die Demonstranten führten Plakate mit Aufschriften wie „Gott, Familie, Vaterland“ oder „Ja zum Leben, nein zur Abtreibung“ sowie Luftballone in Blau und Rosa mit sich. Hauptredner des Weltfamilienkongresses war der italienische Innenminister und Vizeministerpräsident Matteo Salvini. Er sagte, dass zu einer Familie „ein Vater und eine Mutter“ gehörten. Er forderte, heterosexuellen Paaren zu helfen, mehr Kinder zu bekommen. Dies sei eine Pflicht der Regierung. Italien hat eine der niedrigsten Geburtenraten aller EU-Länder. Gleichzeitig lehnte er Forderungen ab, Abtreibungen in Italien zu verbieten: „Das Gesetz wird nicht angefasst.“ Seit 1978 sind Abtreibungen in Italien erlaubt. Auch politische Änderungen zugunsten der Familie lehnte er ab. Eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare gibt es seit 2016 in Italien.

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Italienische Evangelische Allianz: Bibel als oberste Autorität

Mit dabei war auch die Italienische Evangelische Allianz. Deren Präsident, Giacomo Ciccone (Rom), erinnerte an eine vor drei Jahren von dem evangelikalen Dachverband verabschiedete Erklärung zur Familie, wonach die Bibel die oberste Autorität auch in Familienfragen bildet. Danach bestehe die Ehe aus einem Mann und einer Frau, die öffentlich bekundeten, in Solidarität und Treue zusammenzubleiben und für Kinder offen zu sein. Die Familie bilde „den grundlegenden Kern der Gesellschaft“ und müsse vom Staat geschützt werden. Alle anderen Formen des Zusammenlebens seien zwar legitim, aber keine Familie. Die meisten Protestanten in Italien seien Anhänger des klassischen Familienbildes, so Ciccone. Die Evangelikalen hätten mehr als eine halbe Million Anhänger, die Mitglieder des historischen Protestantismus liberaler Prägung maximal 15.000. Ferner warnte er vor einer extremistischen Haltung und der Ausgrenzung Andersdenkender. In einem pluralistischen Staat gelte es, für die eigenen Überzeugungen zu werben. Unter den Tagungsteilnehmern war auch eine Delegation des deutschen „Aktionsbündnisses für Ehe & Familie – Demo für alle“ (Magdeburg).

Fürstin Gloria gegen Sprechverbote

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (Regensburg) kritisierte die Proteste gegen das Treffen. Es dürfe keine Berührungsängste und Sprechverbote geben: „Das war ja im Kommunismus so, aber in der freien Welt muss man doch reden dürfen und auch die Argumente hören.“ Medien hatten den Kongress als Treffen ultrakonservativer Christen und rechter Politiker bezeichnet. Der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, hatte erklärt, die Wertvorstellungen der Tagung gehörten „ins Mittelalter“. Die Fünf-Sterne-Bewegung ist Koalitionspartner der Partei Lega von Salvini. Auch der Vatikan war auf Distanz gegangen. Kardinalstaatssekretär Petro Parolin (Rom) hatte die Veranstaltung als von der Sache her korrekt, aber von der Methode her verkehrt bezeichnet.

Gegendemonstration mit 30.000 Teilnehmern

Medienberichten zufolge haben sich rund 20.000 bis 30.000 Menschen an einer Gegendemonstration am 30. März im Stadtzentrum beteiligt. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift „Über unsere Körper und unsere Begierden entscheiden wir selbst“. Veranstalter des Weltfamilienkongresses mit rund 1.500 Teilnehmern war die 1997 gegründete US-Organisation „Weltkongress der Familie“ (WCF) – von evangelikalen Christen wie auch konservativen Katholiken. Sie verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, „die natürliche Familie als einzige grundlegende und dauerhafte Einheit der Gesellschaft zu bestätigen, zu feiern und zu verteidigen“. Seit 2012 organisiert sie jährlich einen Weltfamilienkongress.

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