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Europäische Juristen
24. Januar 2020

Bedrohte Anwälte in Pakistan besser schützen

Von den rund 200 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus. Foto: pixabay.com
Von den rund 200 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus. Foto: pixabay.com

Düsseldorf/Lahore (idea) – Die „Europäische Vereinigung von Juristinnen und Juristen für Demokratie und Menschenrechte in der Welt“ (EJDM/Düsseldorf) hat mehr Schutz für bedrohte Anwälte in Pakistan gefordert. Wie die Organisation zum „Tag des bedrängten Anwalts“ (24. Januar) erklärte, sind Juristen dort in den vergangenen Jahren Mord, Mordversuchen und -drohungen sowie Einschüchterungen ausgesetzt.

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In einigen Fällen seien nicht nur der Anwalt selbst, sondern auch Angehörige ermordet worden. Unter den mit dem Tod bedrohten Anwälten seien auch Christen gewesen. Konkret nennt die Vereinigung außerdem den Anwalt der freigesprochenen pakistanischen Christin Asia Bibi, den Muslim Saif-ul-Malook. Bibi war 2010 in Pakistan zum Tode verurteilt worden.

Die Mutter von fünf Kindern soll als „Ungläubige“ durch Berührung eines Gefäßes das Wasser für muslimische Feldarbeiterinnen verunreinigt und sich im Streit beleidigend über den Propheten Mohammed geäußert haben. Das Oberste Gericht hob das Urteil im Oktober 2018 mit der Begründung auf, die Vorwürfe gegen sie seien juristisch schwach begründet. Die Entscheidung löste gewalttätige Proteste radikaler Muslime aus.

Der Vereinigung zufolge haben sowohl Malook als auch die Richter, die Bibis Verurteilung wegen Blasphemie aufhoben, Morddrohungen erhalten. Ein weiterer Fall des Anwalts sei der von Shagufta Kauser und ihrem behinderten Ehemann Shafqat Masih.

Die pakistanischen Christen aus ärmlichen Verhältnissen seien Analphabeten und trotzdem beschuldigt worden, Textnachrichten, die den Islam beleidigten, an einen muslimischen Geistlichen geschickt zu haben. Sie sitzen seit 2014 in der Todeszelle. Auch in diesem Fall sei Malook bedroht worden. Er habe die Vermutung geäußert, dass muslimische religiöse Führer den Richter eingeschüchtert haben könnten.

Vereinigung: Blasphemiegesetze abschaffen

Die Juristen-Vereinigung ruft die pakistanische Regierung und das Parlament in einer Petition darum dazu auf, Anwälte vor Angriffen oder Belästigungen zu schützen, begangene Angriffe zu verfolgen und die religiöse Toleranz zu fördern. Weiterhin tritt sie für eine sofortige Aufhebung der Blasphemiegesetze und die Freilassung aller Häftlinge ein, die wegen dieses Vergehens angeklagt oder verurteilt wurden.

Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten sowie andere Regierungen und internationale Organisationen werden aufgefordert, ihre Beziehungen zu Pakistan zu nutzen, um den Schutz von Anwälten und Menschenrechtsverteidigern zu stärken.

Zur „Europäischen Vereinigung von Juristinnen und Juristen für Demokratie und Menschenrechte in der Welt“ gehören 28 Anwaltsorganisationen und Rechtsanwaltskammern in 21 Ländern. Von den rund 200 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus.

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