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Stiftungsprofessur
05. Februar 2019

Einen „Lehrstuhl für das Leben“ schaffen

Der Arzt und Medizinökonom Prof. Christian Thielscher. Foto: idea/Wolfgang Köbke
Der Arzt und Medizinökonom Prof. Christian Thielscher. Foto: idea/Wolfgang Köbke

Wetzlar (idea) – Deutschland braucht einen Lehrstuhl „für die Ethik des Lebensanfangs“. Davon ist der Arzt und Medizinökonom Prof. Christian Thielscher (Lohmar bei Köln) überzeugt. In einem Gastkommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) fordert er Christen dazu auf, eine Stiftungsprofessur zu finanzieren. Dies sei eine Chance, das „gravierende ethische Problem“ der Abtreibungspraxis zu lindern. In den letzten Jahren habe es wenig Bewegung in der Frage des Schutzes ungeborener Kinder gegeben. „Vermeintlich christliche Gesundheitsminister“ hätten faktisch nichts in dieser Hinsicht unternommen. Auch die Evangelikalen brächten nicht viel mehr als Einzelaktionen auf die Beine, so Thielscher. In der säkularisierten Welt lieferten wissenschaftliche Aussagen den letztgültigen Beleg für die Wahrheit. Ein Lehrstuhl böte die Möglichkeit, „in diesem Spiel mitzuspielen“. So beruhe die gegenwärtige Abtreibungspraxis auf einer Reihe von „nicht sehr überzeugenden Annahmen“, die wissenschaftlich aufzuklären seien. Der Lehrstuhlinhaber sollte möglichst Gynäkologe sein. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sollten in der Fachöffentlichkeit publiziert werden und zudem auf die öffentliche Meinung einwirken. Dabei sei es sehr wichtig, dass es wirklich um Wissenschaft gehe. „Es soll eben nicht das Strafrecht verschärft werden, was die betroffenen Mütter noch mehr belasten würde. Sondern: Wie alle Wissenschaft lebt auch dieses Vorhaben von der Idee, das Leben erträglicher zu machen“, schreibt der wissenschaftliche Leiter des KompetenzCentrums für Management im Gesundheits- & Sozialwesen an der FOM Hochschule (Essen).

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Jährliche Kosten bis zu 200.000 Euro

Es solle untersucht werden, welche Maßnahmen dazu führen, dass Mütter ihr Kind ohne Nachteil für ihr eigenes Leben behalten können. Es gehe um Vereinbarkeit von Kindern und Beruf, bessere finanzielle Unterstützung, Solidarität und soziale Gerechtigkeit. Je nach Hochschule und Ausstattung des Lehrstuhls rechnet Thielscher mit jährlichen Kosten von 100.000 bis 200.000 Euro. „Reiche Firmen und Einzelpersonen haben in Deutschland über 500 Lehrstühle finanziert. Superreiche im Ausland sogar ganze Universitäten. Ich bin gespannt, ob wir Christen die Kraft aufbringen, einen einzigen Lehrstuhl zu stiften“, schreibt Thielscher.

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