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Generalsekretär der weltweiten Evangelischen Allianz nimmt Stellung
06. Februar 2019

Duterte und die Kirchen

Efraim Tendero, Generalsekretär der weltweiten Evangelischen Allianz. Bild: Joel Forster, Evangelical Focus
Efraim Tendero, Generalsekretär der weltweiten Evangelischen Allianz. Bild: Joel Forster, Evangelical Focus

Manila (idea) – Die Spannungen des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte mit den Kirchen, insbesondere der katholischen Kirche, haben eine persönliche Geschichte: Wie er laut Medienberichten im Dezember 2015 aussagte, war er im Teenageralter von einem katholischen Priester missbraucht worden. „Ich frage mich, ob ihm eine psychosoziale Intervention oder pastorale Beratung angeboten worden war, als Ausdruck von Lieben und Betroffenheit“, macht sich nun Efraim Tendero, Generalsekretär der weltweiten Evangelischen Allianz und selbst aus den Philippinen, Gedanken zur persönlichen Geschichte des Präsidenten Duterte. Duterte hat weltweit auch Aufsehen erregt wegen seiner Gewaltbereitschaft im Kampf gegen den Drogenhandel. In einem Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur Evangelical Focus betont Tendero, der 22 Jahre Direktor des Philippinischen Rats der Evangelikalen gewesen war: „Ich schaue auf unser Land und Volk aus einer pastoralen Perspektive. Ich sehe Präsident Duterte als ein menschliches Wesen, geschaffen nach dem Bilde Gottes, und deshalb liebe ich ihn als einen Mitmenschen.“ Er bete gemäss dem biblischen Auftrag auch für den Präsidenten.

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Kampf um den Kampf gegen Drogenhandel

Duterte sehe in der katholischen Kirche aber auch ein Haupthindernis im Kampf gegen illegale Drogen. Die philippinische Bischofskonferenz hatte im Januar 2017 eine Erklärung für die Bekämpfung des Drogenhandels, aber gegen die Tötung von Drogenhändlern und -konsumenten veröffentlicht. „Ein zusätzlicher Grund zur Betroffenheit ist die Herrschaft des Terrors an vielen Orten der Armen. Viele werden umgebracht, nicht wegen den Drogen. Die Killer werden nicht zur Rechenschaft gezogen“, zitiert Tendero die Erklärung der Bischöfe. Duterte reagiert scharf auf diese Kritik. Ein einer Rede betonte Duterte: „Ich bin Christ, aber ich bin nicht mehr Katholik.“

Das tödlichste Land Asiens

Tendero weist dann darauf hin, dass in diesem Staat, dessen Bewohner zu 80 Prozent katholisch sind, gemäss einer Umfrage Ende September 2018 immer noch 70 Prozent der Einwohner zufrieden mit der Leistung des Präsidenten seien. Nur 16 Prozent seien unzufrieden. Trotzdem hätten sich am 25. Januar Christen aller Denominationen mit Transparenten wie „Stop the Killing“ für Frieden, Gerechtigkeit und Sicherheit im Land demonstriert. Tendero zeigt sich gegenüber Evangelical Focus auch betroffen darüber, dass die Philippinen „das tödlichste Land in Asien (und das dritt-tödlichste Land auf der Welt) für Umweltschützer“ sei. „Gleichzeitig müssen aber weniger mächtige Staaten wie die Philippinen mit Vorsicht auf Aussagen von globalen Mächten reagieren, die versuchen Menschenrechtsthemen als Entschuldigung für ihre Umsturzversuche zu benutzen, die durch geopolitische und Rohstoff-Interessen geleitet seien. (Autor: idea/David Gysel; Quelle Evangelical Focus)

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