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US-Bestsellerautorin
05. Februar 2019

Bolz-Weber: Der Mensch ist erst nach dem ersten Atemzug ein Mensch

Nadia Bolz-Weber bei ihrem Auftritt auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017. Foto: idea/Wolfgang Köbke
Nadia Bolz-Weber bei ihrem Auftritt auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017. Foto: idea/Wolfgang Köbke

Washington/Denver (idea) – Die US-amerikanische Pfarrerin und Bestsellerautorin Nadia Bolz-Weber (Denver) plädiert für das Recht auf Abtreibung. Sie habe selbst abgetrieben, bekannte sie erstmals öffentlich gegenüber dem US-Radiosender NPR (Washington) in einem Interview über ihr neues Buch „Shameless: A Sexual Reformation“ (Schamlos: Eine sexuelle Reformation). Sie begründete ihre Haltung zur Abtreibung mit der Schöpfungsgeschichte in der Bibel (1. Mose 2,7). So wie Gott den Menschen aus Staub geformt und ihm seinen Odem in die Nase geblasen habe, so gebe es einen Zusammenhang mit dem Menschsein und dem Atem. Der Mensch werde erst ein Mensch, wenn er selbstständig atme. Deshalb könne eine Frau bis zu dem Moment, in dem das Kind nach Luft schnappt, entscheiden, „ob sie die Schwangerschaft durchzieht oder nicht“. Sie räumte ein, dass ihre Haltung unter evangelikalen Christen in den USA höchst umstritten sei. Doch wolle sie ungewollt Schwangere ermutigen, sich bewusst für oder gegen das Kind entscheiden zu können: „Diese Idee, dass Leben und Atem miteinander verbunden sind, ist etwas, woran die Menschen festhalten können, wenn sie eine Bindung an das jüdisch-christliche Denken haben.“ In ihrem Buch übt sie scharfe Kritik an der in vielen konservativen US-Kirchengemeinden verbreiteten Ansicht, dass Sex ausschließlich in die Ehe gehört. Sie plädiert für mehr Freiheit, weil Gott Schöpfer auch der Sexualität sei.

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Bekannt auch in Deutschland: Gründerin der Gemeinde „Haus für alle Sünder und Heilige“

In Deutschland ist Bolz-Weber bekannt durch Auftritte auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin wie auch zuvor durch ihre Europareise im Jahr 2016. Damals war sie unter anderem auf der Tagung „Kirche für alle, aber …“ in Eschborn-Niederhöchstadt (bei Frankfurt am Main) zu Gast. Veranstalter der Tagung war das 2007 gegründete „Emergent Forum“. Das Wort „emergent“ stammt aus der Philosophie und bedeutet „unerwartet neu auftretend“. Das ökumenisch ausgerichtete Netz von Christen will „Menschen in der Postmoderne“ mit dem Evangelium erreichen. Bolz-Weber hat in Denver 2008 die Gemeinde „Haus für alle Sünder und Heilige“ gegründet. Sie startete mit rund 30 Besuchern; heute hat die Gemeinde rund 200 Mitglieder. Sie ist Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELCA). Ihren Körper hat sie mit Tätowierungen biblischer Szenen bedeckt.

Kritik von evangelikalem Theologen: Miese Exegese

Scharfe Kritik an ihrer Auffassung übt der stellvertretende Vorsitzende des evangelikalen Netzwerks „Evangelium 21“, Ron Kubsch (München): „Miese Exegesen können fatale Konsequenzen haben“, schreibt er in seinem „TheoBlog“. Die Begründung von Bolz-Weber sei unchristlich. Kubsch verweist auf den Theologen Karl Barth (1886–1968): „Das ungeborene Kind ist nämlich vom ersten Stadium an ein Kind, ein noch keimender, noch unselbstständig lebender Mensch, aber ein Mensch, kein Etwas, nicht nur ein Teil des Mutterleibes.“

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