Sonntag • 24. März
Bericht der Indischen Evangelischen Allianz
25. Februar 2019

Gewalt gegen Christen in Indien

Die Indische Evangelische Allianz verzeichnet in den letzten Jahren immer mehr gewaltsame Übergriffe auf Christen. Bild: Indische Evangelische Allianz
Die Indische Evangelische Allianz verzeichnet in den letzten Jahren immer mehr gewaltsame Übergriffe auf Christen. Bild: Indische Evangelische Allianz

New Delhi (idea/dg) – Gewalt, Einschüchterungen und Belästigungen bedrohen zahlreiche Christen in Indien. Die für Mai 2019 geplanten Wahlen in diesem Staat mit 1,3 Milliarden Einwohnern heizt die Stimmung weiter an. Die Kommission für Religionsfreiheit der Indischen Evangelischen Allianz registrierte im Jahr 2018 insgesamt 325 Fälle. Diese Zahl umfasse aber bei Weitem nicht alle Vorfälle. Sie basiere auf freiwilligen Meldungen und zivilen Recherchen. „Über die meisten Fälle gibt es keine Berichte, entweder weil die Opfer und Zeugen in Schrecken versetzt sind, oder weil die Polizei speziell in den nördlichen Bundesstaaten wegschaut“, schreibt die Kommission in einem Bericht. 2012 wurden noch 130 Übergriffe gezählt. 2016 stieg die Zahl dann sprunghaft auf 247 und 2018 sogar auf 351 an. Auf im Januar 2019 überfielen Menschengruppen christliche Gottesdienste, Bibeltransporte und Pastoren.

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Gewaltwelle in Uttar Pradesh

Speziell beunruhigt ist die Kommission durch die plötzliche Zunahme in einigen Bezirken des bevölkerungsreichsten Staates Uttar Pradesh und in Tamil Nadu. Über vierzig Prozent der Vorfälle wurden in Uttar Pradesh registriert. Waren es 2017 insgesamt dort noch 50 Vorfälle, so waren allein von September bis Dezember 2018 94 Übergriffe zu beklagen. Christen machen in Uttar Pradesh laut dem Bericht 0,18 Prozent der Bevölkerung aus. Der Staat wird aktuell von Yogi Adityanath regiert, der gleichzeitig auch der Hohepriester des Gorakhnath-Tempels in Gorakhpur, Uttar Pradesh, ist. Er gründete laut dem Bericht auch eine hinduistische Jugendmiliz, die in örtliche Gewalt verwickelt war und es auf religiöse Minderheiten abgesehen hat. Im Juli 2018 war im Bezirk Jaunpur eine Medienkampagne gegen Pastoren lanciert worden, wegen angeblich erzwungenen oder betrügerischen Bekehrungen von Hindus. Es folgte eine Welle von polizeilichen Befragungen und Anklagen sowie sonstiger Gewalt. Ein Pastor Durga Prasad Yadav konnte erst im Januar dank einem Appell an das höchste Gericht wieder Gottesdienste durchführen.

Die Indische Evangelische Allianz war 1951 gegründet worden. Sie umfasst laut eigenen Angaben 54 evangelische Denominationen mit über 65'000 Gemeinden. Ausserdem gehören ihr über 150 Missionsgesellschaften, welche mit den Kirchen in Verbindung stehen.

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