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Reformation in der Schweiz
10. Mai 2017

Zwingli kommt aufs Spielbrett

Kindern spielerisch die Reformation näher bringen. Foto: zvg
Kindern spielerisch die Reformation näher bringen. Foto: zvg

Zur Playmobilfigur hat es Zwingli bisher nicht gebracht. Wenigstens gibt es ihn jetzt als Spielfigur: Zwingli ist einer von fünf Reformatoren im neuen Gesellschaftsspiel „Reformation in der Schweiz“. Damit sollen 10 bis 13-Jährige spielerisch mit der Reformation hierzulande vertraut gemacht werden.

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Das Spiel fülle eine Lücke, sagt Dr. Ursula Lievenbrück vom Medienzentrum der Pädagogischen Hochschule Freiburg, die das Spiel mit einem Team entwickelt hat. Didaktisches Material über die Schweizer Reformation sei bisher nur spärlich vorhanden oder aber beleuchte nur einen Teilaspekt wie etwa die Zürcher Reformation. Auch sei das Material oft aus der Perspektive der Reformation in Deutschland hergeleitet.

Fünf Köpfe der Schweizer Reformation

Aber auch das neue Spiel kommt nicht ohne den deutschen Reformator aus: Luther ist ebenfalls eine Spielfigur in „Reformation in der Schweiz“, genauso wie Jean Calvin, Guillaume Farel und Heinrich Bullinger. Die Wahl sei auf die für den schweizerischen Kontext relevanten Reformatoren gefallen, begründet Lievenbrück das Quintett. „Luther komplett auszublenden, wäre eine Verkürzung.“ Die Wahl dieser fünf sei aber nicht die einzig begründbare.

               „Luther ist nicht komplett auszublenden...“

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wo denn die Frauen abgeblieben sind. Dies müsse sie immer wieder erklären, sagt Lievenbrück. Die Männer seien aber nun mal die treibende Kraft hinter den reformatorischen Entwicklungen gewesen, was den damaligen gesellschaftlichen und politischen Umständen geschuldet sei.

Für Geschichts- und Religionsunterricht

Das Spiel nimmt die theologischen Anliegen der einzelnen Reformatoren auf, setzt aber auch einen Schwerpunkt auf die geschichtlichen Abläufe. Deshalb kann es laut Lievenbrück sowohl im Geschichts- wie auch im Religionsunterricht eingesetzt werden. „Das Spiel lässt sich zudem ohne Bekenntnisinhalte spielen“, so Lievenbrück. Dennoch könne man als Lehrperson im Religionsunterricht Themen wie Ablasshandel, Abendmahl oder die Bibelübersetzung aufgreifen und vertiefen. Das Lehrmittel habe auch keine spezifisch reformierte Ausrichtung, sondern funktioniere genauso im katholischen Kontext.

Ursprünglich war das Spiel gedacht als Lehrmittel für den Freiburger Religionsunterricht. Man habe überlegt, wie der Medienbestand hinsichtlich des Reformationsjubiläums für die Lehrpersonen und Katechetinnen im Kanton zu ergänzen sei, erklärt Lievenbrück. Dass es nun schweizweit mit einer Auflage von 500 Exemplaren lanciert wird, ist dem ökumenischen Medienanbieter „Relimedia“ zu verdanken, der eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule einging. So habe das Projekt plötzlich Fahrt aufgenommen.

Identifikation mit den Reformatoren

Ob sich das Spiel in der Praxis bewährt, wird sich zeigen. Der Prototyp kam in den Testklassen laut Lievenbrück jedenfalls gut an. Zu verdanken ist dies wohl auch bekannten Elementen aus beliebten Gesellschaftsspielen wir „Tabu“ oder „Montagsmaler“. Auch sei es der richtige Entscheid gewesen, bei den Spielfiguren auf die Reformatoren zu setzen, so Lievenbrück. Durch diese kleine Identifikation ergebe sich bei den Schülern eine andere Motivation. „Hat funktioniert und Spass gemacht, war jedenfalls die Rückmeldung.“ (ref.ch/rk, kath.ch)

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