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Suizid-Seelsorge
24. September 2018

Scharfe Kritik an Echo-der-Zeit-Beitrag

Bernhard Rothen Foto: Fritz Imhof
Bernhard Rothen Foto: Fritz Imhof

Hart ins Gericht geht der ehemalige Basler Münsterpfarrer Bernhard Rothen mit der Redaktion von Echo der Zeit von Radio SRF. Aber seine Kritik richtet sich auch an die Verfasser der Broschüre „Solidarität bis zum Ende“ der reformierten Berner Kirche.

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Der Berner Synodalrat hat kürzlich in einem Positionspapier den Pfarrpersonen nahe gelegt, Menschen auch auf ihrem Weg in den assistierten Suizid beizustehen. Wörtlich schreibt die Kirchenleitung: „Der Synodalrat ist ... der Auffassung, dass kirchliche Seelsorge auch im Falle eines assistierten Suizids bis zum Sterben reicht. Pfarrerinnen und Pfarrer sollen Menschen, die sie begleiten, auch im schwierigsten Moment, dem Akt der Selbsttötung, Beistand leisten, wenn diese es wünschen.“

„Intrigantes Vorgehen“ der Kirchenbehörde

Am 17. September brachte die Sendung „Echo der Zeit“ dazu ein Interview mit Matthias Zeindler, Leiter des Bereichs Theologie der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und Titularprofessor für Systematische Theologie der Universität Bern. Er ist auch einer der Autoren des Papiers. Laut Rothen hätte das Interview viel kritischer ausfallen müssen. Das Echo der Zeit habe das Gebot der Sachgerechtigkeit missachtet und sich zum Propagandisten einer kirchenpolitischen Absicht machen lassen, so Rothen, der seine Kritik auch dem Ombudsmann der SRG unterbreitete. Die Sendung hätte klar machen müssen, dass das Papier ohne demokratischen Auftrag und ohne demokratische Mitwirkung der Pfarrerschaft entstanden sei und dass der Synodalrat lediglich dem Wunsch einer einzigen Berner Kirchgemeinde nachgekommen sei, die laut dem SRF-Interview den Ausschlag zur Erarbeitung des Papiers gegeben hat. Er spricht sogar von einem „intriganten Vorgehen der Kirchenbehörde“.

Zuwenig nachgehakt

Die Journalistin hätte laut Rothen kritischer nachhaken müssen, „denn“, so Rothen: „nach dem reformatorischen Kirchenverständnis hätte der Synodalrat die Mühe eines konziliaren Meinungsbildungsprozesses auf sich nehmen und Kirchgemeinderäte und Pfarrerinnen und Pfarrer einbeziehen müssen in einen solchen klärenden Austausch. Doch war es dem Synodalrat natürlich klar, dass eine solche freie Meinungsbildung niemals zu einer grundsätzlichen Empfehlung hätte führen können...“. Vielmehr habe der Synodalrat die Ratlosigkeit der Pfarrpersonen genutzt, um das „Anliegen einer verstärkten lehramtlichen Autorität voranzubringen“.

Druck könnte zunehmen

Bernhard Rothen hat sich mit seiner öffentlichen Kritik zum Sprecher jener Pfarrpersonen gemacht, die sich mit einem seelsorgerlichen Engagement zurückhalten möchten, wenn sie es nicht mit ihrer Überzeugung und ihrem Gewissen vereinbaren können. Diese wurden mit dem Papier des Synodalrats überfahren, ist Rothen überzeugt, auch wenn sie sich mit Berufung auf ihr Gewissen heraushalten dürfen. Rothen befürchtet, dass der Druck auf sie zunehmen wird.

Noch liegt die Antwort von Radio SRF auf die Kritik nicht vor, sie wurde Bernhard Rothen aber zugesichert. Ebenso eine Stellungnahme durch Ombudsmann Roger Blum. Das ganze Verfahren werde einige Wochen in Anspruch nehmen, heisst es von Seiten des SRF.

(Fritz Imhof/Livenet.ch)

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