Mittwoch • 12. Dezember
Altmennonitische Gemeinschaft porträtiert
06. Dezember 2018

Mit Rock und Wagen

Als wärs in einer anderen Zeit. Foto: Look Now!/zvg
Als wärs in einer anderen Zeit. Foto: Look Now!/zvg

Argentinien (idea) - Zum Vergessen abgelegen, ganz im Norden Argentiniens, leben 800 deutschstämmige Mennoniten. Sie sprechen ein altes Plattdeutsch und leben von Ackerbau und Viehzucht. Anstelle von Autos benutzen sie Pferdekutschen. Strom, Telefon, Radio, TV und Internet sind verboten. Traktoren wiederum sind erlaubt, aber nur die "altmodischen", wie sie sagen. Es gäbe eben - so erklären sie - "Mennoniten und Weltmenschen".

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Der Dokumentarfilm "Ohne diese Welt" porträtiert die Kolonie Durango. Vor gut 18 Jahren war die Glaubensgemeinschaft aus Mexiko aufgebrochen und nach Argentinien gezogen, um ihre Traditionen weiterhin ungestört leben zu können.

Erlaubtes Eintauchen in eine andere Welt

Regisseurin Nora Fingscheidt (35) lernte einige Altmennoniten in ihrer Zeit als Austauschschülerin in Argentinien kennen. Die Frage, warum diese Menschen freiwillig so leben und warum sie die moderne Welt derart radikal ablehnen, hat sie nicht mehr losgelassen. Überraschenderweise bekam ihr Filmteam die Erlaubnis, während zwei Monaten in Durango zu drehen. Der Film beobachtet die stillen Menschen unaufdringlich. Immer wieder wird im Hintergrund Originalton eingespielt, wie in Plattdeutsch aus der Bibel oder einem Katechismus gelesen wird. Die Lesungen wirken wie Erklärungen für die Bilder. Das Leben ist einfach, doch aufwendig. Wäsche auf dem Waschbrett rubbeln, die langen Haare im Becken waschen, die Waren per Kutsche ausliefern. Alles braucht viel Zeit. "Aber mit dem Auto", so sagt ein junger Mennonit, "wäre es nicht mehr so richtig."

In der Schule findet man ausser Bibel und Katechismus keine Bücher. In der Kolonie herrschen klare Regeln. Werden Jugendliche um Erklärungen gebeten, berufen sie sich auf ihre "Ältesten": "Sie sagen, es ist so." Das Schlimmste, was Eltern hier passieren kann, ist dann, "wenn die Kinder in die Welt gehen". Davor haben sie Angst.

In Durango herrscht keine Weltuntergangsstimmung. Doch richtig lustvoll soll das Leben auch wieder nicht sein. Denn - und es wird Prediger 7,3 zitiert - "Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert". Das Leben soll nicht bequem sein, sondern fromm geführt werden.

Ernsthafte Fragen des Lebens stellen sich

Worum geht es im Glauben? Wo ist ein Nein gegenüber dem Mainstream gefordert? Geht es darum, sich jedem Fortschritt möglichst zu verweigern? Wie leben Christen mit der Spannung zwischen göttlicher Ordnung und göttlicher Gnade?

Der Film "Ohne diese Welt" beobachtet das Leben einer leisen Gesellschaft zwischen Abschottung und Wandel. Die Gemeinschaft von Durango fordert heraus, das eigene Leben zu betrachten. Regisseurin Fingscheidt sagt: "Die Zeit in der Kolonie wurde zu einer nachhaltigen Erfahrung, die mich zum Nachdenken gebracht hat - nicht nur über die eine, auch über die andere Welt." (Autor: Rolf Höneisen, ideaSpektrum)

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