Freitag • 17. August
Langzeitstudie
18. Juli 2018

Antisemitische Internet-Kommentare nehmen stark zu

Hasskommentare gegen Juden sei inzwischen im Internet weit verbreitet. Foto: picture-alliance/Bildagentur-online
Hasskommentare gegen Juden sei inzwischen im Internet weit verbreitet. Foto: picture-alliance/Bildagentur-online

Berlin (idea) – Antisemitische Kommentare im Internet haben in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. Das ist das Ergebnis einer am 18. Juli in Berlin vorgestellten Langzeitstudie der Technischen Universität Berlin. Demzufolge hat die ungefilterte und grenzenlose Verbreitung judenfeindlichen Gedankengutes ein nie zuvor da gewesenes Ausmaß erreicht. Das Internet beschleunige und fördere die Akzeptanz und Normalisierung von Judenfeindschaft in der gesamten Gesellschaft. Laut der Studie findet sich Antisemitismus in allen Bereichen des Internets, etwa in den sozialen Medien, in Blogs, Recherche- und Ratgeberportalen, Fan-Foren sowie in den Online-Kommentarbereichen der Qualitätsmedien. Seit 2007 habe sich die Anzahl der antisemitischen Kommentare zum Teil verdreifacht. Besonders die über Twitter und Facebook verbreiteten Aufrufe, gegen Judenhass zu demonstrieren, seien innerhalb weniger Stunden durchsetzt von antisemitischen Texten und Abwehrreaktionen. Auch wer nicht gezielt nach Antisemitismen Ausschau halte, stoße unvorbereitet auf sie – etwa wenn man bei der Google-Suche Schlagworte wie Jude, Judentum oder Israel eingebe. Manche Antisemitismen würden zum Teil jahrelang nicht gelöscht.

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Klassische Judenfeindschaft bildet die Basis

Grundsätzlich bilde die „klassische Judenfeindschaft“ und nicht etwa israelbezogene Feindbilder die Basis des aktuellen Judenhasses. Das gelte auch für den muslimischen Antisemitismus. Gleichzeitig finde aber eine „Israelisierung“ der antisemitischen Wortwahl statt. Wie die Leiterin der Studie, Prof. Monika Schwarz-Friesel, bei der Vorstellung der Studie sagte, ist der „israelbezogene Judenhass“ auf dem Weg, ein „politisch korrekter Antisemitismus“ zu werden: „Da dieser Hass nachweislich auf den Stereotypen der klassischen Judenfeindschaft basiert, besteht allgemein die Gefahr einer weiteren Verbreitung und Normalisierung von Antisemitismus.“ Die Forschergruppe aus dem Fachbereich Allgemeine Linguistik wertete 300.000 Texte vor allem aus sozialen Medien aus. Die Studie trägt den Titel „Antisemitismus 2.0 – Judenfeindschaft als kulturelle Konstante und kollektiver Gefühlswert im digitalen Zeitalter“.

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