Mittwoch • 12. Dezember
Sternstunde Religion zu Abtreibung
12. November 2018

Keine Fristenlösungsgegner auf dem SRF-Podium

Die reformierte Theologin Christina aus der Au diskutierte am 11. November mit einer Jüdin und einem Freidenker über Abtreibung. Foto: Printscreen „Sternstunde Religion“ SRF.
Die reformierte Theologin Christina aus der Au diskutierte am 11. November mit einer Jüdin und einem Freidenker über Abtreibung. Foto: Printscreen „Sternstunde Religion“ SRF.

Bern (idea) - Giuseppe Gracia greift in einer Blick-Kolumne vom 12. November die Auswahl der Diskutierenden der "Sternstunde Religion" vom Vortag zum Thema Abtreibung an. Die Redaktion hätte keine Abtreibungsgegner einladen wollen, weil diese zu radikal und zu wenig differenziert seien. Gracia, Schriftsteller und Sprecher des Bistums Chur, schlägt deshalb den SRF-Machern in einer satirischen Kolumne vor, sie "sollten künftig überhaupt alle polarisierenden Gedanken von uns wehrlosen Zuschauern fernhalten". Konsequente Gegner der Todesstrafe ebenso wie Veganer. Auch Freidenker, "die vollkommen undifferenziert an keinen einzigen Gott glauben. Oder die Nichtraucher und Antialkoholiker, die radikal Nein zum Rauchen und Biertrinken sagen und damit unsere Konsensgesellschaft spalten."

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EDU fordert Wiederholung der Sendung

In einer Medienmitteilung vom 15. November schreibt die EDU von einem "skandalösen Akt der Zensur". Die TV-Macher hätten sich geweigert, ihrem öffentlichen Informationsauftrag nachzukommen und nebst einem Atheisten und zwei Theologinnen auch einen Abtreibungsgegner einzuladen. Die Partei protestiert gegen diese "diese tendenziöse Bevormundung der Bürgerinnen und Bürger" und fordert eine Wiederholung der Sendung "in ausgeglichener Besetzung".

"Wie wollen wir Gesellschaft sein?"

Im Berner "Haus der Religionen" diskutieren die jüdische Theologin Annette Böckler, die reformierte Theologin Christina aus der Au und der Freidenker Valentin Abgottspon mit Norbert Bischofberger. Christina aus der Au hatte selber bei einer späten Schwangerschaft invasive Tests für sich abgelehnt und ist sich bewusst: "Sobald ich etwas weiss, fordert das auch eine Entscheidung von mir." Wenn das Kind behindert sein würde, werde sie auch die Kraft dazu kommen. "Das hatte mit meinem Gottvertrauen zu tun." Bei Freundinnen, die abgetrieben hatten, bekam sie etwas vom Ringen um die richtige Entscheidung mit. Sie sei deshalb die letzte, die sagen würde: "Du darfst das nicht." Aus der Au findet es gut, dass die Schweiz als Rechtsgemeinschaft die Fristenlösung beschlossen habe. "Trotzdem möchte ich dranbleiben und sagen: 'Aber Leute, es sind keine Steine.'" Es stelle sich die Frage, ob wir nicht auf die Probleme gucken müssten, die sich Familien mit einem behinderten Kind stellen, statt das Kind "wegzumachen". Dass die Rate der Abtreibungen bei Migrantinnen sehr viel höher sei als bei Schweizerinnen, mache die Thematik der Geschlechterwahl brisant. Angesichts von Behinderungen und Abtreibungen sei es eine grosse Aufgabe für die Gesellschaft, die Frage zu diskutieren: "Wie wollen wir Gesellschaft sein?"

Lebensschützerin eingeblendet

Die Redaktion schaltete unter anderem ein Statement von Regula Lehmann als Vertreterin der Stiftung Zukunft CH ein. Die Stiftung gehört zur Trägerschaft vom "Marsch fürs Läbe". Regula Lehmann sieht eine Würde und ein Recht auf Leben auch für das ungeborene Kind. Sie hält die Fristenlösung für ein rückschrittliches und frauenfeindliches Gesetz. "Die Fristenlösung erhöht den Druck auf die Frau massiv." Seit der Fristenlösung höre sie immer wieder Frauen davon sprechen, dass sie unter Fremdeinfluss abgetrieben hätten und es bei entsprechender Unterstützung nicht getan hätten.

Update 15. November 2018

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