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Kommunikationsexperte
07. Juni 2019

Gesellschaft ist heute viel schlechter informiert als vor 20 Jahren

Besonders Soziale Medien sind anfällig für die Verbreitung von „Fake News“ (Falschnachrichten). Foto: pixabay.com
Besonders Soziale Medien sind anfällig für die Verbreitung von „Fake News“ (Falschnachrichten). Foto: pixabay.com

Würzburg (idea) – Die Gesellschaft ist heute viel schlechter informiert als vor 20 Jahren. Alle hängen am Smartphone, chatten und hören nicht zu. Diese Ansicht vertrat der Kommunikationsexperte Prof. Wolfgang Stock (Karlsruhe) auf dem 10. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge am 6. Juni in Würzburg. Stock ist Generalsekretär des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen. Ihm zufolge ist im postfaktischen Zeitalter alles manipulierbar. So lasse sich mit geringem Aufwand ein Nachrichtenvideo fälschen und im Internet veröffentlichen. Allerdings sei bereits in der Vergangenheit über „Fake News“ (Falschnachrichten) gestritten worden. So seien vor 500 Jahren aus Sicht der römisch-katholischen Kirche die Ansichten des Reformators Martin Luther (1483–1546) „Fake News“ gewesen. Auch dass in der Politik gelogen werde, sei nichts Neues.

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Wie sich die Mediennutzung ändert

Nach Worten Stocks hat sich die Mediennutzung dramatisch geändert. So sei die Auflage von Tageszeitungen rapide gesunken. Im Jahr 2034 werde es voraussichtlich keine mehr geben. Stattdessen informierten sich viele Menschen über YouTube-Videos. So hätten 14,5 Millionen Nutzer das „Zerstörung der CDU“-Video des YouTubers Rezo angeklickt. In einer immer komplizierteren Welt gebe es eine „generelle Desorientierung“. Die technologische Entwicklung nehme ebenso zu wie Medien-Hypes.

Wie man Informationen prüft

Um Informationen zu prüfen, riet Stock die „Dreier-Regel“ anzuwenden: 1. Ist es wahr? 2. Ist es wertschätzend? 3. Ist es hilfreich? Nur wer alle drei Fragen mit Ja beantworte, könne eine Nachricht in den Sozialen Medien verbreiten. Im christlichen Glauben beanspruche Jesus Christus, „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ zu sein. In der Demokratie gebe es jedoch keine absolute Wahrheit; um sie müsse gestritten werden. Es sei in Vergessenheit geraten, dass Wissenschaft „der heutige Stand des Irrtums“ sei. Was heute als wahr gelte, könne sich morgen als falsch erweisen.

Was Christen tun können

Um sich gut zu informieren, empfahl Stock mindestens ein Qualitätsmedium zu abonnieren. Zudem solle man sich auch mit Meinungen auseinandersetzen, die der eigenen entgegenstehen. Aufgabe von Eltern sei es, mit ihren Kindern über eine kluge Mediennutzung zu sprechen und sie in Medienkompetenz zu schulen. Dazu gehöre es, die Quelle einer Nachricht zu prüfen und zu erkennen, ob es sich um eine Information oder eine Meinung handle. Zudem sollten sich Christen an aktuellen Debatten mit Politikern, Wissenschaftlern, Religionsvertretern oder in den Sozialen Medien beteiligen. Wer sich aus der Diskussion zurückziehe, könne sie nicht beeinflussen. Stock: „Es ist wichtig, dass wir uns einmischen.“

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