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Finanzieller Druck
08. Mai 2017

Finanzen zwingen Reformierte Medien zur Konzentration aufs Kerngeschäft

Das Magazin „bref“ löste im Januar 2016 die „Reformierte Presse“ ab. Foto: brefmagazin.ch
Das Magazin „bref“ löste im Januar 2016 die „Reformierte Presse“ ab. Foto: brefmagazin.ch

Die Reformierten Medien (RM) stellen sich neu auf. Infolge finanzieller Einbussen wird der Bereich „Marktdienstleistungen“ ausgelagert, das  Kerngeschäft „Publizistik und Radio/Fernsehen“ rückt ins Zentrum. Die bisherige Leiterin dieses Bereichs, Pascale Huber, wird Geschäftsführerin der RM.

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Die Reformierten Medien betreiben das Online-Portal „ref.ch“ und geben das Magazin „bref“ heraus, sie sind ausserdem Partner von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) bei der Sendung „Wort zum Sonntag“, der Übertragung von Fernsehgottesdiensten und Radiopredigten. Auf diese Bereiche wollen sich die RM ab 1. Juli konzentrieren. Der bisherige Bereich Marktdienstleistungen, der Schulungen und Beratungen im Bereich der Kommunikation umfasst, soll ausgelagert werden, wie ref.ch am 1. Mai „in eigener Sache“ meldete.

Hintergrund dieser „Strategieanpassung“ ist der finanzielle Druck, unter dem die RM stehen. Der Betriebsverlust des letzten Jahres liege im sechsstelligen Bereich, sagt Christoph Weber-Berg, Präsident der RM, auf Anfrage von kath.ch.

Rückgang der Mitgliederbeiträge

Die Gründe seien dafür seine vielschichtig, erläutert Weber-Berg. Einerseits seien sie Mitgliederbeiträge zurückgegangen: „Wir haben innerhalb von zehn Jahren rund ein Drittel, in den letzten vier Jahren ein Viertel weniger Mitgliederbeiträge“. Dies sei auf Sparbemühungen seitens der Mitgliederkirchen zurückzuführen. Andererseits sei die Lancierung des neuen Magazins „bref“, welches im Januar 2016 die „Reformierte Presse“ (RP) ablöste, aufwendig und teuer gewesen. Weil die Abo-Zahlen der RP rückläufig waren, habe man sich zu diesem „mutigen Schritt“, der Lancierung des „Bref“, entschieden, so Weber-Berg. Schliesslich sei der Umzug von der Badener- an die Pfingstweidstrasse in Zürich Anfang 2015 mit grossen Kosten verbunden gewesen, auch wenn die Miete für die neuen Räumlichkeiten günstiger sei.

Die RM stehen damit vor einer zweiten Restrukturierungsphase: Bereits Ende 2016 hatte der Grundsatzentscheid, für Print- und Online-Artikel vermehrt konvergent zu arbeiten, zu einem Stellenabbau geführt. „Die finanziell positiven Effekte dieser Massnahmen greifen erst mit einer gewissen Verzögerung“, erläutert Weber-Berg.

Pascale Huber neu Geschäftsführerin

Bisher boten die RM für Kirchen und kirchliche Mitarbeiter auch Beratungen in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Umgang mit Medien sowie für Marketing, PR, Werbung und Social Media an. Diese Bereiche sollen mittelfristig ausgelagert werden. Konkret bedeutet dies, dass sie nur noch für begrenzte Zeit unter dem Label der RM angeboten würden, erläutert Weber-Berg.

Durch diese Massnahmen verlieren der bisherige Geschäftsführer Thomas Gehrig sowie der Verlagsleiter Erik Senz ihre Stelle. Damit liegt die Geschäftsleitung ab 1. Juli ganz in der Hand von Pascale Huber, langjährige Radio- und Fernsehbeauftragte der RM und bisherige publizistische Leiterin. In dieser Funktion hat sie vor einem Jahr das Team in eine konvergente Redaktion überführt.

Bekenntnis zu kirchlichen Inhalten

Dass damit wieder eine Theologin die Geschäfte führe, interpretiert Huber gegenüber kath.ch als strategische Ausrichtung auf theologische und kirchliche Inhalte. Die 46-Jährige war 12 Jahre lang Gemeindepfarrerin, seit 5 Jahren ist sie Radio- und Fernsehbeauftragte bei den RM, davor war sie drei Jahre lang als Projektleiterin dafür zuständig. „Der Vorstand benennt ausserdem klar zwei Kernbereiche aus einem breit angelegten Medienbereich“, fasst sie das Wesentliche dieser Neuerungen zusammen.

Die Fokussierung auf Publizistik und Radio/Fernsehen sei ausserdem ein klares Votum des Vorstands für das noch junge Magazin „bref“, ergänzt Weber-Berg. In diesem Magazin stecke „viel Herzblut“, sagt er mit offensichtlichem Stolz. Man wolle damit kirchliche und ehrenamtliche Mitarbeiter, aber auch einen weiteren Kreis von Menschen, die an fundierter Information aus Kirche, Religion und Kultur interessiert seien, erreichen. Das Magazin erscheint zweiwöchentlich. Die genauen Auflagezahlen werden derzeit nicht bekannt gegeben, sie würden an der GV vom 14. Juni präsentiert, so Huber.

Der Vorstand geht davon aus, mit den erwähnten Massnahmen und einer „strikten Finanzkontrolle“ bereits 2017 finanziell ein deutlich besseres Resultat zu erreichen, wie ref.ch berichtete. (kath.ch/sys)

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