Mittwoch • 15. Juli
Medien machen Stimmung für Samenspende
03. Juni 2020

„Das war surreal“

Illustration: Printscreens von 20min.ch & migrosmagazin.ch
Illustration: Printscreens von 20min.ch & migrosmagazin.ch

(idea/dg) - Im Herbst 2019 berichteten zahlreiche namhafte Medien in der Schweiz darüber, wie Kinder von Samenspendern ihren Vater suchen. „Ich hätte wissen wollen, wer das ist. Wie sieht der Mensch aus, was schafft er, was hat er für Hobbies? Was bewegt ihn, Leidenschaften, solche Sachen“, wurde zum Beispiel auf srf.ch eine junge Frau zitiert, die sich auf diese Suche machte. Auch die Schwierigkeiten der Eltern wurden angesprochen: „Auf der einen Seite sind es Versagensängste vom Mann, der auch wirklich der Erzeuger vom Kind sein will. Auf der anderen Seite ist es die Rollenverteilung. Man will nicht, dass ein Dritter irgendeine Rolle übernimmt.“

ANZEIGE

Plötzlich keine Identitätskrisen mehr?

Jetzt, kurz vor der Nationalratsdebatte über die „Ehe für alle“ und über eine allfällige Legalisierung der Samenspende für lesbische Paare, scheint es bei den Samenspenderkindern und bei den Familien keine Identitätskrisen mehr zu geben. Wer in diesen Tagen in die Medien schaut, findet nur glückliche Paare, die sich dank Samenspende ein Kind beschaffen konnten. „Joshua hat zwei Mütter“, titelt die aktuelle Ausgabe des Migros-Magazins. Die Tagblatt-Medien titeln zur gleichen „Familie“ am gleichen Tag: „Du hast zwei Mamas, Josh“. Dass der Vater fehlt, scheint kein Thema zu sein. Treffend ist immerhin der Satz im Migros-Magazin: „Da wird dir etwas injiziert, und plötzlich bist du schwanger. Das war surreal.“

Forderung nach Zugang zur Samenspende

Die Forderung in den Medien ist klar, wie 20min.ch beispielhaft Anna Rosenwasser von der Lesbenorganisation LOS zitiert: „Der Nationalrat muss ein Zeichen setzen. Eine Ehe für alle ohne rechtliche Absicherung von homosexuellen Familien mit Kindern und ohne Zugang zur Samenspende für lesbische Paare ist nur eine eingetragene Partnerschaft plus.“ Die Anerkennung von Stiefkindern sei langwierig, die Samenspende im Ausland alles andere als ein spassiger Ferienausflug, gab Anna Rosenwasser zu bedenken.