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Pro und Kontra
10. Juli 2019

Sollten Christen auf Fleisch verzichten?

v. l.: Vorsitzender der „Aktion Kirche und Tiere“ und Kuratoriumsmitglied des Instituts für Theologische Zoologie, Ulrich Seidel, und Studienleiter an der THS-Akademie und Buchautor von „Jesus war kein Vegetarier“, Sebastian Moll. Fotos: Privat,
v. l.: Vorsitzender der „Aktion Kirche und Tiere“ und Kuratoriumsmitglied des Instituts für Theologische Zoologie, Ulrich Seidel, und Studienleiter an der THS-Akademie und Buchautor von „Jesus war kein Vegetarier“, Sebastian Moll. Fotos: Privat,

Wetzlar (idea) – Die Tierschutzorganisation PETA Deutschland (Stuttgart) hat fünf Gründe veröffentlicht, warum alle Christen Tierschützer sein müssten. In ihrem Appell fordern die Aktivisten unter anderem, dass Christen kein Fleisch verzehren sollten. Man müsse das Leid der Tiere anerkennen und lindern. Sollten Christen sich also besser für eine vegetarische Lebensweise entscheiden? In einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea nehmen zwei Theologen zu der Frage Stellung.

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Pfarrer Seidel: Tiertöten berührt ein Tabu

Für eine vegetarische Ernährung plädiert der Vorsitzende der „Aktion Kirche und Tiere“ (AKUT), Pfarrer Ulrich Seidel (Markkleeberg bei Leipzig). So habe Gott dem Menschen zwar alles unter seine Füße getan (Psalm 8,7), doch zu den allerersten göttlichen Geboten gehörten die Nahrungsgebote (u. a. 1. Mose 1,29). Seidel: „Nicht Fleisch oder Wurst, sondern Samen, Nüsse, Früchte und Gemüse mit ihren wertvollen und gesunden Nährstoffen sind unsere Nahrungsgrundlage.“ Dafür sprächen auch die negativen globalen und ernährungsmedizinischen Auswirkungen, die der Fleischgenuss habe: „Zu fett, zu eiweißreich, kaum Ballaststoffe, und das Hüftgold wächst.“ Nicht zuletzt habe Gott den Blutgenuss verboten und den Menschen damit wissen lassen, „dass wir im Tiertöten ein Tabu berühren, uns am Leben versündigen und schuldig werden“. Wenn alle, die Fleisch essen, ihr Tier selbst töten müssten, so Schneider, „würde ihnen der Appetit ohnehin schnell vergehen“.

THS-Studienleiter Moll: Auch Jesus aß Fleisch

Gegen den Verzicht auf Fleisch wendet sich der Studienleiter an der THS-Akademie für pastorale Führungskräfte in Bingen am Rhein, Sebastian Moll. So ließen sich Christen mittlerweile für jeden gesellschaftlichen Trend instrumentalisieren – „aber unser Herr ist kein Mitläufer, sondern gibt uns die Richtung vor“. Jesus selbst habe keine Speiseverbote vorgegeben, sondern Fische verteilt und mit seinen Freunden das Passahlamm genossen. „Wer dankbar für das ihm Gegebene ist, wird das Geschenk genießen und es gleichzeitig mit Respekt behandeln“, so Moll. Ihm zufolge fehlt Organisationen wie PETA zudem das Gespür „für den Zustand der menschlichen Welt zwischen Erlösung und Verdammnis“. Die Grundlage christlicher Ernährungsethik sei Dankbarkeit.

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