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Vorwürfe
29. Juni 2020

Kern: Religionsphilosoph von Wachter verbreitet Verschwörungstheorien

Der Vorsitzende des württembergischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“, Pfarrer Steffen Kern. Foto: Gästehaus Schönblick
Der Vorsitzende des württembergischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“, Pfarrer Steffen Kern. Foto: Gästehaus Schönblick

Walddorfhäslach/Mauren (idea) – Der Vorsitzende des württembergischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“, Pfarrer Steffen Kern (Walddorfhäslach bei Reutlingen), hat heftige Kritik am Direktor der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein, Prof. Daniel von Wachter (Mauren), geübt.

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Kern wirft ihm vor, im Zusammenhang mit dem Coronavirus Verschwörungstheorien zu verbreiten und dazu die Bibel zu missbrauchen. Hintergrund sind mehrere Artikel, die der deutsche Wissenschaftler auf seiner Webseite von-wachter.de veröffentlicht hat. Darin vertritt er die These, dass das neue Coronavirus „nicht besonders gefährlich“ sei, „und selbst wenn es gefährlich wäre, wären der Lockdown und das Social Distancing nicht die richtigen Maßnahmen, um die Todeszahlen zu verringern“. Er empfiehlt Christen, sich mit einer „geistlichen Waffenrüstung“, wie sie in Epheser 6 beschrieben werde, zu wappnen.

In der aktuellen Ausgabe des Apis-Magazins „Gemeinschaft“ weist Kern Wachters Thesen zurück: „Hier irrlichtert ein Denker durch ideologische Untiefen und irritiert die Gemeinde.“ Er zitiere Offenbarung 13 und fasele von einer Weltregierung. Das Gefährliche daran sei, dass von Wachter an biblische Motive anknüpfe, aber selbst definiere, was gut und was böse sei.

„Statt zum Gebet für die Regierungen und Verantwortlichen ruft er etwa zum Gebet gegen die vermeintlichen ‚Herren der Welt‘ auf.“ Damit meine der Religionsphilosoph, der „weithin unbekannt“ sei, die Regierungen demokratischer Staaten, die Wissenschaft und die Medien. „Alles wird behauptet, nichts davon belegt.“ Von Wachter bediene damit „die Muster klassischer Populisten und extremer Verschwörungstheoretiker“.

Von Wachter: Kern kann seine Kritik nicht mit Argumenten belegen

Der Evangelischen Nachrichtenagentur idea gegenüber nahm von Wachter dazu Stellung. Der Fehler an Kerns Artikel sei „die Abwesenheit von Argumenten, d. h. von Verweisen auf Indizien“. Wenn jemand eine andere Auffassung als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet, weise das darauf hin, dass er keine Argumente habe. Tatsächlich erfüllten seine Texte, so von Wachter, die von Kern aufgeführten Merkmale einer Verschwörungstheorie. Das spreche aber nicht gegen die Wahrheit der Aussagen.

Es stimme, dass er die These „nicht besonders gefährlich“ (NBG) aufgestellt und damit behauptet habe, „dass die Regierung und die regierungsnahen Medien die Unwahrheit über das Coronavirus sagen“, so von Wachter. Er selbst habe seine These in einem langen philosophischen Aufsatz und mehreren kürzeren Artikeln begründet. NBG werde von „vielen Wissenschaftlern“ vertreten, wie man auf seiner Webseite nachlesen könne, „nur eben nicht von der Regierung, von den regierungsnahen Medien und von denjenigen wenigen Wissenschaftlern, mit denen die Regierung arbeitet“.

Im Internet würden die kritischen Stimmen zwar große Verbreitung finden, aber in den öffentlich-rechtlichen Medien kämen die vielen Wissenschaftler, die die Corona-Politik der Regierung kritisierten, nicht zu Wort. „Die bekanntesten unter ihnen, insbesondere Prof. Sucharit Bhakdi und Dr. Wolfgang Wodarg“, würden von Journalisten, die über „keine wissenschaftliche Kompetenz“ verfügten, als Außenseiter und Verschwörungstheoretiker dargestellt.