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US-Rapper
16. November 2019

Kanye West gibt Konzert für Gefangene in Houston

Der US-Rapper und Produzent Kanye West. Foto: picture-alliance/AP/Invision
Der US-Rapper und Produzent Kanye West. Foto: picture-alliance/AP/Invision

Houston (idea) – Der US-Rapper und Produzent Kanye West hat im Gefängnis „Harris County” in Houston (US-Bundesstaat Texas) ein Konzert für Gefangene gegeben. Der 42-Jährige Musiker zählt mit über 120 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Musikern aller Zeiten.

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Sein neues Gospelalbum war am 25. Oktober veröffentlicht worden. Es trägt den Titel „Jesus is King“ (Jesus ist König). Darauf spricht er über seinen neuen Glauben. West trug in dem Gefängnis gemeinsam mit seinem Gospelchor vor allem Songs aus seinem neuen Album vor. Er gab dort sowohl ein Konzert für weibliche als auch für männliche Insassen. In Videomitschnitten ist zu sehen, wie die Häftlinge teilweise auf Knien mit West beten, tanzen und Gott für den Auftritt danken.

„Menschen, die nicht glauben, sind lebendige Tote“

Sowohl Wests Album als auch sein Bekenntnis zum christlichen Glauben stoßen neben Zustimmung auch auf Skepsis. So heißt es beispielsweise in einer Rezension des Magazins „Der Spiegel“: „Der Glaube an Jesus habe ihn errettet und gesund gemacht. Ach, man wünscht sich so sehr, dass es stimmt.“

Im britischen „Guardian“ hieß es, von dem kurzen Album „erfahren wir wenig über Gottes Platz in dem Leben dieses einen Gläubigen und fast nichts über Gottes Platz in der modernen Welt“.

In einem Interview mit dem britischen Moderator James Corden sagte West, dass er sich verändert habe: „Menschen, die nicht glauben, sind lebendige Tote. Sie schlafen.“

US-Rapper Lecrae: Gott wird mit den Aussagen von West geehrt

Der US-Rapper und bekennende Christ Lecrae äußerte gegenüber dem US-Nachrichtenportal CBN, dass er sich hinter West stelle. „Er sagt, was ihm auf dem Herzen liegt.“ West wolle den Menschen von Jesus erzählen. „Selbst wenn er unaufrichtig ist, ist die Botschaft des Evangeliums sehr klar und deutlich und Gott wird mit dem geehrt, was West sagt.“

Deutscher Rapper „Davee“: Kanye hat sich bekehrt

Der deutsche Rapper und leitende Sekretär des CVJM Oberhausen, David Dunkmann („Davee“), ist überzeugt, dass West Christ geworden ist. Auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erklärte er: „Kanye hat sich bekehrt. Wenn man seine Interviews mit Zane Lowe oder Big Boy anschaut, begegnet einem ein sehr zufriedener und aufgeräumter Kanye, der sehr ehrlich über seine Pornografiesucht spricht und offen seinen Glauben bezeugt.“ West tue dies mit dem Bewusstsein, als „frisch Bekehrter“ noch am Anfang seiner Reise zu stehen und selber nicht alle Antworten zu haben, sagte Dunkmann.

Gunnar Engel: Was die Kirche von Kanye West lernen kann

Der Pastor in der Nordkirche Gunnar Engel (Wanderup bei Flensburg) sagte auf seinem YouTube-Kanal (10. November), dass die Kirche von West lernen könne. Bei West gebe es beispielsweise eine „Form von Kreativität“, die ihm gerade in letzter Zeit etwa im christlichen Lobpreisbereich „ein bisschen fehlt“.

Er selbst, so Engel, höre sich die letzten zwei bis drei Hillsong-Alben nicht an: „Das gleiche Album habe ich schon vor vier Jahren gehört. Die bringen zwei Alben im Jahr raus, die dann über eine Stunde dauern, die aus Refrains und Bridges bestehen, die relativ platt sind und dann aber 17 Mal wiederholt werden. Ist das das, was am Ende rauskommt, wenn wir sagen, wir dienen einem Gott, der die Kreativität erfunden hat?“

West mache zudem das, was eigentlich alle Christen machen sollten, denn er rede öffentlich über Gott: „Das erwarte ich theoretisch von jedem Christen.“ Viele Menschen stellten nun die Frage, ob West ein „richtiger Christ“ sei. Engel: „Er ist kein besserer Christ als wir, er ist kein besserer Mensch als wir. Es ist einfach eine unglaubliche Freude im Himmel gerade da, weil er Christ geworden ist.“

Engel warnte, zu hohe Erwartungen an West zu stellen. Er könne noch nicht so weit sein wie jemand, der seit 50 Jahren mit Gott unterwegs sei. Er bete, so Engel, dass es nun ein stabiles Wachstum im Glaubensleben von West gebe.

„Mein Leben ist sein“

Das Album „Jesus is King“ enthält elf Titel mit christlichen Bezügen. In dem Lied „Every hour“ (Jede Stunde) wendet er sich an die Zuhörer: „Sing‘, bis die Kraft des Herrn herunterkommt. Lass alles, was atmet, Gott lobpreisen.“ Der Song „Water“ (Wasser) beschäftigt sich mit der geistlichen Taufe, in „Closed on Sunday“ (Sonntags geschlossen) ruft der mit Kim Kardashian verheiratete West dazu auf, die Sonntagsruhe einzuhalten, mehr Zeit mit der Familie und weniger in den Sozialen Medien zu bringen: „Ich beuge mich vor dem König, der auf dem Thron sitzt. Mein Leben ist sein, ich gehöre nicht länger mir.“

Erwähnt wird in dem Lied auch die von Christen geführte Fastfood-Kette „Chick-fil-A“, die ihre Filialen sonntags schließt. Kurz vor der Veröffentlichung des Albums, mit dem er derzeit mit in den „Billboard Artist 100 Charts“ auf Platz eins steht, hatte West ausgewählte Gäste zu einer Feier eingeladen, um dort die Lieder vorab vorzuspielen. Dort bekannte er sich erstmals öffentlich zu seinem neuen Glauben: „Ich habe mich erst kürzlich bekehrt. Das bedeutet, dass ich erst in diesem Jahr errettet worden bin.“

West hat bereits ein neues Projekt im Blick: Er kündigte an, dass zu Weihnachten das Album „Jesus is born“ (Jesus ist geboren) auf den Markt kommen soll. Am 17. November ist der Rapper in der Lakewood-Megakirche (Houston) von Joel Osteen zu Gast. West wird dort berichten, wie er Christ wurde.