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Pro und Kontra
28. August 2019

Ist die Lutherbibel zu unverständlich?

v.l.: Frank Cherubin ist Pastor sowie Inspektor des Westdeutschen Gemeinschaftsverbandes e.V. und der frühere thüringische Landesbischof Prof. Christoph Kähler leitete die Revision der Lutherbibel 2017. Fotos: Privat, idea/kairospress
v.l.: Frank Cherubin ist Pastor sowie Inspektor des Westdeutschen Gemeinschaftsverbandes e.V. und der frühere thüringische Landesbischof Prof. Christoph Kähler leitete die Revision der Lutherbibel 2017. Fotos: Privat, idea/kairospress

Wetzlar (idea) – Die Lutherbibel ist die im deutschsprachigen Europa am weitesten verbreitete Übersetzung der Heiligen Schrift. Sie wurde 2017 revidiert und wird von der EKD zum Gebrauch empfohlen. Doch ist der Text für Menschen heute zu unverständlich? Auf diese Frage antworten zwei Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Manches in der revidierten Luther-Übersetzung klingt altertümlich

Der Inspektor des Westdeutschen Gemeinschaftsverbandes, Pastor Frank Cherubin, sieht die Luther-Übersetzung trotz der Revision als „immer noch zum Teil altertümlich“. Christen beklagten, dass vor allem die jüngere Generation ihre Gemeinden nicht mehr besucht. Das habe viele Gründe. Cherubin: „Einer der Gründe sollte aber nicht eine Bibelübersetzung sein, die erst von den Predigern in ein aktuelles Deutsch übersetzt werden muss.“ Wer benutze denn im Alltag noch Worte wie harren, allewege, Huld, lieblich, gereuen und Jüngling? Warum werde der theologisch so wichtige Begriff „Fleisch“ nicht verständlich vermittelt? Gott mache in der Person Jesus Christus vor, wie man sich ganz auf den Menschen seiner Zeit einlasse – aus Liebe. Cherubin: „Der Mensch und seine aktuelle Sprache stehen für meinen ‚Worttransport‘ im Mittelpunkt. Martin Luther wird mich verstehen ...“

Kontra: Die Lutherbibel spricht die Sprache des Herzens

Die Gegenmeinung vertritt der frühere thüringische Landesbischof Prof. Christoph Kähler (Leipzig), der die Revision leitete. Nach seinen Worten wirkt die Lutherbibel „mit ihrer starken, oftmals poetischen Sprache und ihrer Prägnanz auch auf andere deutsche Bibeln und auf Künstler“. Denn sie sei das Original, das die deutsche Literatursprache bis heute präge. Kähler: „Wer also Vorkenntnisse mitbringt oder einfach einen Sinn für bildkräftige, treffende Formulierungen hat, wird Luthers Übersetzung und ihre Sprache schätzen. Sprichworten oder Zitaten in Romanen liege regelmäßig der Luthertext zugrunde. Zwar verwende „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ (Matthäus 12,34) veraltete Genitivformen, doch wer sie verändere, formuliere umständlicher und kaum eingängiger. „Die Lutherbibel spricht eine Sprache des Herzens, die unersetzlich ist“, so Kähler.

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