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Unternehmer
25. Dezember 2018

Heinrich Deichmann: Ich werde vor Gott Rechenschaft ablegen müssen

Der Unternehmer Heinrich Deichmann. Foto: Deichmann
Der Unternehmer Heinrich Deichmann. Foto: Deichmann

Essen (idea) – Der Chef von Europas größter Schuhhandelskette, Heinrich Deichmann (Essen), ist überzeugt, dass er vor Gott über den Einsatz seiner Fähigkeiten, seiner Zeit und seines Geldes Rechenschaft ablegen muss. Das sagte der Unternehmer, der Mitglied einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) ist, im Interview mit der „Welt am Sonntag“. Der Glaube an Gott sei für ihn die Lebensgrundlage. Er habe deswegen auch ein paar Semester Theologie studiert. Heute lese er viele theologische Bücher und täglich in der Bibel. Aus den Heiligen Schriften spreche für ihn der Geist Jesu: „Als Christ geht es mir darum, dass dieser Geist im eigenen Leben Gestalt gewinnt, die Haltungen und Einstellungen verändert, damit die Welt um einen herum ein wenig heller wird.“ Die Frage, ob er mit seinem sozialen Engagement, etwa über das Hilfswerk „wortundtat“, sein Gewisse beruhige, wies Deichmann zurück: „Dass ich privilegiert bin, macht mich nicht automatisch schuldig.“ Er sehe es als seine Verantwortung, andere an seinem materiellen Wohlstand teilhaben zu lassen. Sein Vater Heinz-Horst Deichmann (1926–2014) etwa habe direkt neben dem Haus der Familie Deichmann ein kleines Kinderheim gebaut: „Dieses Zusammenspiel von wirtschaftlichem Erfolg und christlicher Teilhabe hat mich geprägt.“

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Deutschland ist reich genug, um sich um Migranten zu kümmern

Zum Thema Migranten und Flüchtlinge sagte Deichmann, dass jeder, der kein Aufenthaltsrecht habe oder sich nicht an die Spielregeln halte, in seine Heimat zurückkehren müsse: „Um diejenigen, die aus berechtigten Gründen bei uns Schutz suchen, müssen wir uns aber kümmern.“ Deutschland sei reich genug, um zu helfen und Europa nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Wertegemeinschaft. Deichmann verkaufte im vergangenen Jahr 176,6 Millionen Paar Schuhe und machte in den knapp 4.000 Filialen mit rund 40.000 Mitarbeitern, von denen fast 16.000 in Deutschland angestellt sind, in 26 Ländern 5,8 Milliarden Euro Umsatz. Das sozialmissionarische Hilfswerk „wortundtat“ (Essen) wurde von Heinz-Horst Deichmann 1977 nach der Begegnung mit Leprakranken im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh gegründet. Heute hat sein Sohn Heinrich Deichmann die Leitung. Das mit Abstand größte Engagement besteht in Indien. Jüngere Projekte sind die Förderung einer sozialdiakonischen Einrichtung in Moldawien (seit 2006) und des Jugend- und Familienzentrums „Stern im Norden“ im Dortmunder Problemviertel Nordstadt (seit 2009).

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