Montag • 6. Juli
Gedanken zu Pfingsten von Peter Schneeberger
28. Mai 2020

Gott entfacht die Glut!

Gedanken von Peter Schneeberger zu Pfingsten im Corona-Jahr. Fotos: Peter Fazekas/Pexels; idea/rh
Gedanken von Peter Schneeberger zu Pfingsten im Corona-Jahr. Fotos: Peter Fazekas/Pexels; idea/rh

(idea) - Bald feiern wir Pfingsten. Ja, der Heilige Geist ist - gemäss Apostelgeschichte - Spezialist, um Lockdowns aufzuheben: "Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heisst und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten." (Apg 1,12-13)
Viele Menschen sitzen derzeit wegen des Coronavirus zu Hause. Immer noch. Trotz der Lockerungen am 11. Mai. Hat Gott Einfluss auf die Orte, wo wir uns aufzuhalten pflegen?

ANZEIGE

Am 13. Mai betete ich mit der FEG-Geschäftsstelle per Videokonferenz. Während des Betens redete der Heilige Geist zu mir: Ich solle an der Delegiertenkonferenz der FEG etwas über Ihn erzählen. Fast gleichzeitig kommt ein E-Mail aus England: In Grossbritannien hat in den vergangenen Wochen ein Viertel der Bevölkerung einen Online-Gottesdienst miterlebt! Pete Greig schrieb dazu: "Glaube braucht Treibstoff. Fortschritte kommen Schritt für Schritt. Indem wir die kleinen Dinge feiern (und sie nicht negieren), die Gott gerade jetzt tut, finden wir Glauben für die grösseren Dinge, die er noch nicht getan hat. Wenn ein zitternder Mann in einer kalten, dunklen Nacht Funken in der Feuerstelle entdeckt, wird er wahrscheinlich nicht weggehen. Er ist ein Narr, wenn er sagt: 'Oh, diese Glut ist nichts - zu klein, um mich zu wärmen, zu flüchtig, um die Kälte einer so dunklen Nacht zu bekämpfen!' Und er wird auch kein kaltes Wasser auf sie giessen. Stattdessen wird er nahe herantreten und niederknien, ehrfürchtig in die Glut blasen und vorsichtig Brennstoff dazuschütten, um ein Feuer zu entfachen. Und so sehen wir diese Zeichen und beten 'Mehr, Herr!' Wir seufzen und sagen fröhlich: 'Nun, wenn du dies tun kannst, kannst du vielleicht auch das tun?'"

Ich glaube, dass wir mitten in der Corona-Krise "an ein Feuer gesetzt wurden". Das Holz glimmt. Beten wir darum, dass das Feuer des Heiligen Geistes die Schweiz besucht!

Beim Lesen des Bibelbuches Joel entsteht der Eindruck, Gott entziehe dem Volk die Kontrolle. Ich glaube, dass wir in der Schweiz und auf der ganzen Welt einen Götzen angebetet haben, indem wir meinten: Es ist dann alles gut, wenn für mich alles gut läuft. Aber dann kommen Heuschrecken - jedenfalls bei Joel - und grasen alles ab! Die Welt läuft immer grösseren Schwierigkeiten und Nöten entgegen. Hilft da auf Dauer der gesunde Menschenverstand?

Heuschrecken sind unkontrollierbar

Heuschrecken kann man nicht kontrollieren. Sie bringen Tod und Hunger und entziehen sich unserer Kontrolle. In Joel, Kapitel 3, werden die letzten Tage angekündigt. Was verspricht Gott dann? Weisheit? Verstand? Tatendrang? Schenkt er gute Umstände, friedliche Zeiten? Nein. Er schenkt seinen Geist und der ist genauso unkontrollierbar wie die Heuschrecken! In den letzten Tagen verheisst Gott den glaubenden Menschen eine Zukunft. Er will seinen Geist schenken, den Lockdown aufheben: "'In den letzten Tagen', spricht Gott, 'werde ich meinen Geist über alle Menschen ausgiessen. Eure Söhne und Töchter werden weissagen, eure alten Männer werden prophetische Träume und eure jungen Männer Visionen haben. In diesen Tagen werde ich meinen Geist sogar über alle meine Diener, ob Mann oder Frau, ausgiessen, und sie werden weissagen. Und ich werde Wunder oben am Himmel tun und Zeichen unten auf der Erde - Blut und Feuer und Rauchwolken. Die Sonne wird finster werden und der Mond blutrot, ehe der grosse und herrliche Tag des Herrn anbricht. Und jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird man Hilfe finden, wie es der Herr versprochen hat. Jeder, der sich an den Herrn wendet, wird entkommen.'" (Joel 3,1-5)

Was schenkt Gott mit seinem Geist?

Beim Ausgiessen des Geistes geht es um Fülle, wie bei einem kräftigen Regen. Der Geist ist im Alten Testament Lebensträger (Hab 2,19), Lebensmut (Joh 2,11) und Wille (2. Mose 28,3). Allgemein schenkt der Geist Leben (1. Mose 6,17). Was schenkt der Geist im Besonderen, gemäss der Verheissung in Joel 3? Es ist eine Fülle von Empfindungen, Gaben und Aufgaben. Er schenkt die Gemeinschaft der Familie Gottes (Vers 2). Gott überwindet mit Joel 3 die Generationenkonflikte. Er verleiht dem ganzen Volk Gottes die Gabe der Prophetie: Das richtige Wort wird im richtigen Moment an die richtige Person gerichtet. Genau das wünsche ich mir! Wie oft habe ich in dieser Corona-Zeit zu rasch und zu empfindlich reagiert.

Auch Mose hat sich nach einer Zeit gesehnt, in der die Gabe der Prophetie weit verbreitet sein würde: "Ich wünschte mir, dass alle aus dem Volk des Herrn Propheten wären und dass der Herr seinen Geist auf alle legte!" (4. Mose 11,29). Wir wollen beten, dass Gott seinen Geist auf uns alle legt.

Prophetie soll dazu führen, dass Menschen sich Gott zuwenden (1. Kor 14,23-25). Prophetie ist zur Erbauung, Ermahnung und Tröstung (1. Kor 14,1-3), zur Zurüstung der Gläubigen (Eph 4,11.12) und zur Voraussage der Zukunft (Apg 11,27).

Der angemessene Ton

Am 6. Mai griff der Tages-Anzeiger das Thema des Schutzkonzepts für Gottesdienste auf. Titel: "Protest gegen Lockdown - 'Wir sind systemrelevant' - Freikirchen wollen öffnen!" Nicht alles im Artikel war richtig. Am Abend bekam ich ein sehr verärgert geschriebenes E-Mail von einem Tagi-Leser. Anderthalb Seiten mit Vorwürfen! Am nächsten Tag habe ich mich an die Beantwortung gemacht. Dabei muss ich prophetisch den Ton getroffen haben. Denn die Antwort lautete: "Sehr geehrter Herr Schneeberger, ich danke Ihnen für Ihre engagierten Worte! Somit nehme ich Ihnen alles ab, was Sie mir darlegen! Ihre Antwort weiss ich umso mehr zu schätzen, als dass Sie viel sachlicher antworten, als dass ich Ihnen geschrieben habe - dies zeugt von Souveränität! Ich habe - einmal mehr - wieder einiges dazugelernt! So will ich auch mein Bild von Ihnen revidieren (...)."

Wem schenkt Gott seinen Geist?

"In den letzten Tagen, spricht Gott, werde ich meinen Geist über alle Menschen (Fleisch) ausgiessen." (Joel 3,1) "Fleisch" kann bedeuten, alle Menschen (Ps 56,5) und alle Tiere (1. Mose 7,21), dementsprechend kann es heissen Menschen und Tiere (1. Mose 6,17; 7,4; Ps 136,25). Nie wird von Gott gesagt, dass er "Fleisch" sei. Er ist über allem "Fleisch" (Jer 32,27). Seinen Geist will Gott auf alles "Fleisch" ausgiessen. So erniedrigt sich Gott aus Liebe zu uns Menschen. Joel 3, Vers 2 und Vers 5 machen deutlich, dass alle, die von Gott gerufen werden, den Heiligen Geist bekommen. Spannend ist, dass diejenigen, die den Heiligen Geist besonders nötig haben - wie Könige, Leiter, Älteste und Priester -, hier gar nicht genannt werden. Aufgezählt werden Kinder, alte Menschen und Jugendliche. Das sind drei Gruppen, die aus meiner Sicht am meisten unter dem Corona-Virus leiden. Kindern wird die lebenswichtige Gemeinschaft geraubt, alte Menschen sind am stärksten gefährdet, Jugendlichen wird die Zukunft geraubt; zum Beispiel wird es für einige schwierig, eine Lehrstelle zu finden. Auch die gering Geachteten bekommen den Heiligen Geist! Diesen Gedanken nimmt Paulus in 1. Korinther 1,18-20 auf. Wer jetzt denkt, jeder könne diese Gabe empfangen, egal wie seine Bereitschaft dafür ist, der liegt allerdings falsch. Welche innere Haltung braucht es? Es braucht den Hunger nach dem Heiligen Geist! Darum wollen wir beten, damit dieses Verlangen bei uns, in unseren Kirchen, in der Schweiz, in Europa und bis nach Indien aufsteigt.

Hunger nach Gott!

Hat Gott Einfluss auf die Orte, wo wir uns aufhalten? Ja, Gott wirkt. Ich bekomme viele E-Mails und Anrufe mit dem Wunsch, medial oder politisch Druck zu machen, damit die Gottesdienste früher als nach dem 8. Juni starten können. Das verstehe ich sehr gut. Als Verband sind wir im Gespräch mit dem BAG. Und wir sind im Gespräch mit dem Heiligen Geist. Das Zweite ist dringlich! Wir brauchen in der Schweiz Besuch vom Heiligen Geist. Ich wünsche mir mehr Hunger nach dem Wort Gottes unter den Christen, und allgemein in der Gesellschaft eine Sehnsucht nach neuem Leben durch Jesus. Lässt Gott sich von verschlossenen Türen aufhalten? Nein. Aber er hat einen anderen Zeitplan.

Am 19. Mai waren der Rat der Religionen RdR, die Schweizerische Evangelische Allianz SEA-RES und der Dachverband Freikirchen Schweiz sowie eine Vertreterin des Hauses der Religionen zu einem Gespräch mit Bundesrat Alain Berset geladen. In diesem Rahmen brachten wir zur Sprache, welche Herausforderungen der Lockdown für die Kirchen bedeutet. Wir platzierten den Wunsch, bald wieder Veranstaltungen im kirchlichen Kontext anbieten zu dürfen. Die dazu nötigen Schutzkonzepte sind geschrieben und können lokal angepasst umgesetzt werden.

Tags darauf, am 20. Mai, verkündigte der Bundesrat, dass in der Schweiz Pfingstgottesdienste erlaubt sind! Ab dem 28. Mai dürfen wieder Gottesdienste gefeiert werden. Das vom BAG vorgegebene Rahmenschutzkonzept enthält zwar Knacknüsse, was das Feiern anbelangt. Doch die Freude überwiegt, dass die Zusammenkünfte nach über zehn Wochen wieder stattfinden können!

Wir dürfen die Worte von Pete Greig ernst nehmen: "Meine Freunde, es ist Zeit zu beten, mit noch grösserem Glauben. Es ist Zeit zu predigen, mit noch grösserer Zuversicht, und zu planen, mit noch grösserem Ehrgeiz. Lasst uns glauben!" 
(Autor: Peter Schneeberger)

Peter Schneeberger ist Vorsitzender der FEG Schweiz und des Verbandes Freikirchen Schweiz. Die hier abgedruckte und leicht ergänzte Rede hielt er im Rahmen der FEG-Delegiertenkonferenz am 16. Mai 2020. Diese fand als Videomeeting mit 150 Teilnehmenden statt.

Diese Woche lesen Sie
  • EDU Daniel Frischknecht löst Hans Moser ab
  • Freikirchen Corona-Zeit und VFG-Präsident Schneeberger
  • Bibelquiz Jetzt mitmachen und gewinnen!
  • Pro & Kontra Sollten Christen weniger von Sünde reden?
  • mehr ...