Sonntag • 31. Mai
Susanna Rychiger
16. März 2020

Gebet in Krisenzeiten

Susanna Rychiger (Bild: zvg/Livenet)
Susanna Rychiger (Bild: zvg/Livenet)

Was bedeutet das Gebet in Krisenzeiten? Susanna Rychiger, Leiterin der Gebetsbewegung 24-7CH Prayer, teilt ihre Gedanken angesichts der Coronavirus-Krise.

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Glauben kann Angst überwinden, heisst es in der Bibel (z.B. Psalm 46,2-3 oder Johannes 16,33). Welche Rolle spielt dabei das Gebet – also das aktive Sprechen mit Gott?

Susanna Rychiger: Im Gebet richten wir unseren Blick auf Gott, mich beruhigt dies immer wieder. Als Person bin ich gerne informiert und versuche, mich anhand von seriösen News auf den aktuellen Stand der Lage zu bringen. Wichtig ist aber, dass ich mich dadurch nicht beirren lasse, dass Gott über allem steht. Wenn ich mit Gott rede, beruhigt sich meine Seele, auch wenn ich nicht alles verstehe. Angst ist nie ein guter Ratgeber, das wissen wir. Ruhen wir nicht im Wissen darum, sondern bringen wir unsere Angst im Gebet vor Gott, lesen im Wort seine Verheissungen und lassen uns von ihm stärken. Ich möchte aber auch klar dafür sprechen, dass wir nicht Übermenschen sind und uns die momentane Situation beunruhigen darf. Wichtig ist einfach unsere Blickrichtung.

Aufgrund der Einschränkungen bei den grösseren Veranstaltungen müssen auch die Kirchen kreativ werden. Einige führen statt Gottesdiensten nun Gebetstreffen durch. Sie begrüssen das bestimmt…

Gottesdienste und Versammlungen können aufhören, aber das Gebet muss weitergehen. Hier haben wir eine Verantwortung – jeder von uns. Die heutige Zeit ist für mich ein Weckruf an uns Christen, uns auf das Wesentliche auszurichten, was uns durch diese Zeit trägt: Jesus und meine Beziehung zu ihm. Leben wir in einem Umfeld mit Freunden, treffen wir uns in kleineren Gruppierungen und ermutigen uns gegenseitig zu unserer Verantwortung im Alltag. So nimmt die Schlagkraft der Christen in unserer Nation zu. Eine Vernetzung von kleinen Zellen kann man praktisch nicht zerstören. Ich habe absolut nichts gegen grosse Gottesdienste oder Versammlungen, aber es darf nicht sein, dass wir davon abhängig sind und völlig gelähmt sind, wenn sie nicht mehr stattfinden. Kurz – ja ich begrüsse die Gebetstreffen und finde es auch cool, wie Gemeinden sich über einen Stream ermutigen.

Gebet für die Schweiz, "24-7 Prayer" und diverse Kirchen haben Gebetsaufrufe formuliert. Gibt es hier eine Einheit unter den Christen, wofür man einstehen will?

Da habe ich mich wenig drum gekümmert, muss ich ehrlich sagen. Es gibt sicher verschiedene Färbungen, doch was ich mitkriege, sind wir uns sicher einig, dass wir überhaupt beten sollen und einstehen für die geschwächten und gefährdeten Menschen in unserer Nation. Als 24-7CH wollen wir immer zu mutigen und ehrlichen Gebeten motivieren. Es benötigt nicht den Profi im Gebet, sondern es benötigt ein Volk, das mit seinem Vater redet und so vertraut ist mit ihm, dass wir mutige Gebete sprechen können, die weit grösser sind als wir uns vorstellen können. In einem sind wir sicher eins – Gebet darf nicht verschwinden.

(Auszug aus Interview von Florian Wüthrich & Nora Baumgartner; Quelle: Livenet)

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