Sonntag • 21. April
Roland Suters Fundkunst
12. April 2019

Der Müllvergolder vom Gürbetal

Künslter Roland Suter. Bild: Livenet/zvg
Künslter Roland Suter. Bild: Livenet/zvg

Belp (Livenet) – Im Atelier „RS-FORMAT“ in Belp begegnen einem Kreationen zum Thema „Fundstücke werden Kunststücke“. Da mischt sich beispielsweise Holz mit Eisen und Styropor und wird jeweils durch teure Materialien wie Perlen, Gold oder Messing veredelt. Die Spezialität des 60-jährigen Roland Suters ist das „Vergolden“ mit Blattgold. Daurch verleiht er Weggeworfenem neuen Glanz und neuen Wert. Nicht zuletzt symbolisiert das Gold für ihn auch Herrlichkeit Gottes.

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Mit grossem Kreator Schätze erschaffen

Werkstatt und Atelier sind Räume, wo Roland Suter auch mit seinem Gott unterwegs ist. So erhält er immer wieder Impulse, die ihn praktisch weiterbringen oder einfach passende und hübsche Lösungen bieten, die für alle aufgehen, wie er sagt. Denn es geht stark um Ästhetik, wie Gegenstände angeordnet sind und wie die Räume und Einrichtungen wirken.
Der spirituelle Künstler Roland Suter lässt seine Kreativität auch in Kirchenräume fliessen oder gestaltet thematische Gottesdienste inklusive Wortinputs. Dabei wird die vorhandene Einrichtung neu beleuchtet oder seine Objekte dienen einer meditativen Betrachtung.

Livenet traf den Sammel-Künstler in seinem Atelier.

Sie haben ausdrucksstarke Werke, welche Glaubensthemen inspirieren Sie?
Roland Suter: Ist es nicht die Absicht und der Wunsch unseres Schöpfergottes, dass das Kaputte, durch die Sünde Geprägte und Zerstörte wieder in eine neue Existenz finden darf? Durch die Annahme des Karfreitags-Werkes des gekreuzigten Christus und des Auferstehungsglanzes von Ostern wird eine neue Schönheit erlebbar. Nicht von Ästhetik geprägte Schönheit kommt da zum Strahlen, sondern verwandlungsmässige Schönheit, die von innen ihre Strahlkraft entfaltet. Da entsteht Neues, was das Wesen Mensch aus sich nicht zu vollbringen vermag. So braucht es auch den Eingriff von aussen, dass aus einem Fundstück ein einmaliges Kunststück wird.

Wie kamen Sie zur Kunst?
1997 – ein vom Leben gezeichnetes Holz-Keramikabstrakt, Gold. Diese Spannung innerhalb eines Werkes hat mich nachhaltig berührt – gesehen bei Freunden. 1998 entstand nach schwerer Krankheit mein erstes Werk aus Fundstücken: ein Holzbrett, darauf eine Rostbüchse, hinein in diesen Rost ein vergoldeter Stein. Die Geburtsstunde zum kreativen Wirken und zur Thematik «Fundstück wird Kunststück».
Klein hat es angefangen – auf sechs Quadratmetern entstanden in den folgenden zwölf Jahren sehr viele Werke. Der Grundgedanke hat sich mehr und mehr vertieft: verworfenen, ausrangierten Fundstücken ohne Bedeutung und Schönheit, diesen Randprodukten in Kombination mit edlen Materialien neues Leben einzuhauchen. Dadurch bekommen diese Schrottteile eine neue Existenz und damit auch eine aktuelle Zukunft – sie werden Kunststücke! Aus den sechs Quadratmetern wurden zunächst 38 und aktuell 206m².

Was war prägend für Ihren persönlichen Glauben?
Verschiedene schwere Krankheitszeiten haben mein Leben, mein Gottesbild und damit meinen Glauben nachhaltig geprägt. Ich habe schon eine Hirnhautentzündung plus Darm- und Lungenkrebs hinter mir und bin auch zur Zeit in Behandlung. Vieles wurde erschüttert und muss neu definiert werden. Zeiten der gefühlsmässigen Gottverlassenheit wechseln mit Zeiten der tiefen seelsorgerlichen Begleitung des dreieinigen Gottes ab. Die elementaren Erschütterungen haben mich eine 1:1-Kommunikation mit dem lebendigen Gott gelehrt. Das im Herzen Vorhandene, ob hässlich oder schön, muss transparent in die heilende Gegenwart Welcher Besuch in Ihrem Atelier ist Ihnen besonders in Erinnerung?
Da war die eine Kunstschaffende, welche jahrelang keine Kreationen mehr herstellen konnte; sie hatte ihren Mann verloren und dadurch eine persönliche Blockade. Sie kaufte dann bei uns selber Werke ein und wollte am nächsten Tag wieder vorbeischauen. Als sie wieder kam, war sie so berührt, dass sie anfragte, selber ausstellen zu dürfen. Wie grossartig das war, merkt man erst im Wissen, dass sie zuvor grossen, renommierten Ausstellungen gegenüber Anfragen ausschlug; in Basel, St.Tropez etc. Welch ein Geschenk, dass dadurch ihre Blockade verschwinden durfte und sie neu beflügelt wurde.
(Quelle: Livenet; Autor: Roland Streit; gekürzt/bearbeitet durch idea)

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