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Versagen und Niederlagen
08. April 2019

Das Geheimnis des Neuanfangs

Jörg Suter mit seiner Frau Laura. Bild: Livenet/zvg
Jörg Suter mit seiner Frau Laura. Bild: Livenet/zvg

Niederlagen und Krisen lernte Jörg Suter zur Genüge kennen. Heute weiss der ehemalige Pastor, dass sichtbare Erfolge oder Niederlagen nicht das Wichtigste sind. Der Schlüssel liegt in einer persönlichen Beziehung mit dem gnädigen Gott.
Das Leben bringt Rückschläge mit sich, davon können die meisten Menschen berichten. Auch Jörg Suter (73) wurde von schwierigen Zeiten nicht verschont. Doch heute will er sich weder von eigenen Fehlern, noch von denjenigen anderer Menschen bestimmen lassen.

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Die Krise eines Pastors

Sieben Jahre lang diente Jörg als Pastor in einer Gemeinde. Dann nahm dieser Dienst ein abruptes Ende. Es folgte ein schmerzhafter Prozess von Vergeben, Loslassen und Versöhnung. Es brauchte etwas Zeit, doch schliesslich fand er die Kraft, aufzustehen. Damals, im Alter von 35 Jahren, fragte sich Jörg Suter ganz ernsthaft: „Kann ich nach schwierigen Lebensphasen vergeben und unbelastet vorwärtsgehen? Kann ich den Blick auf Jesus werfen und weitermachen?“

Verletzungen können im Herzen eines Menschen bittere Wurzeln wachsen lassen. Unzufriedenheit, Misstrauen den Mitmenschen gegenüber und Angst vor weiteren Verletzungen werden zu ständigen Begleitern. Vielleicht mag dies dem Betroffenen nicht bewusst sein, aber es bestimmt sein Leben. Wie kann ein unbelasteter Neuanfang gelingen?

Neuanfang und neue Krise

In Cham (ZG) gründete Jörg eine neue Gemeinde. Mit seiner Vergangenheit versöhnt, sprühte er vor neuer Leidenschaft. Die Vision, die Zentralschweiz für Jesus zu gewinnen, trieb ihn an. Die folgenden Jahre waren für die junge Gemeinde eine Blütenzeit. Menschen kamen zum Glauben, eine Aussengemeinde und eine Jüngerschaftsschule wurden gegründet – ja, es lief wirklich gut und in den Herzen vieler Menschen wurde eine Begeisterung für Jesus entfacht.

Dann erlebte die Gemeinde eine grosse Krise. Es gab eine Spaltung. Die Übriggebliebenen waren am Boden zerstört – aber die Gemeinde überlebte.

Segens- und Prüfungszeit

Nun sah sich die Gemeinde der Frage gegenüber, wie sie vergeben und weitergehen konnte. Böse Worte und die Trennung hatten tiefe Wunden hinterlassen. Doch auch jetzt gelang ein totaler Neuanfang. Es war nicht einfach, aber es entstand etwas Neues, etwas Gutes – durch viele Tränen hindurch. „Damals sah es nach einer riesigen Niederlage aus“, beschreibt Jörg die Situation. „Doch heute sehe ich, dass selbst diese Zeit sehr viel Gutes hervorbrachte.“

30 Jahre als Pastor waren für Jörg Suter Segens- wie Prüfungszeit. Eine Burnout-Erfahrung vor ungefähr fünfzehn Jahrne führte ihn durch einen längenden Schmerzens- und Heilungsprozess hindurch. Doch auch da erlebte er schliesslich die Gnade Gottes, die ihn aufrichtete.

Wie kann ich vergeben und weitermachen?

Niederlagen und persönliches Versagen gehören zum Leben dazu, wie auch die Erfahrung, von Mitmenschen verletzt zu werden. Es gibt zu viele Menschen, die jahrzehntelang unter vergangenen Erfahrungen leiden. Das Erlebte blockiert und hindert sie an einem unbelasteten Vorwärtsgehen. Jörg gibt unumwunden zu, dass er nicht nur selbst verletzt wurde, sondern auch selbst viele Fehler gemacht hat. Aber: „Gott ist ein gnädiger Gott, der vergibt und immer wieder ganz neu mit mir anfängt.“ Gott als einen gnädigen Gott zu erkennen und seine Vergebung anzunehmen, ist die Grundlage für ein befreites Leben.
Die eigenen Fehler zu bekennen, Gottes Vergebung anzunehmen und dann auch den Mitmenschen zu vergeben, ist nicht etwas, das wir zwischendurch mal tun. Nein, es ist ein Lebensstil, mit welchem sogar Krisenzeiten zu etwas Wertvollem werden.

Es gibt Wichtigeres als sichtbare Erfolge und Niederlagen

Rückblickend denkt Jörg nicht primär an die sichtbaren Erfolge und Niederlagen. „Für mich ist wichtig, täglich eine Haltung des Lernens einzunehmen. Mich jeden Tag auf Jesus auszurichten, hält mich jung und frisch.“

Jörg weiss, dass jeder Tag, den er in der Gemeinschaft mit Jesus lebt, ein segensreicher Tag ist – sowohl für seine Mitmenschen, wie auch für sich selbst. Dabei ist es nebensächlich, was er in seinem Leben Grossartiges erreicht hat und wo er gescheitert ist. Eine lebendige Beziehung mit Jesus ist letztlich der Schlüssel für ein Leben in echter Freiheit.

Jeder kann neu anfangen

Heute ist Jörg Grossvater und gehört zu den Senioren. Er hat schon viele Christen gesehen, die Jesus über Jahrzehnte hinweg treu blieben. Trotzdem ist das Feuer für ihren Herrn erloschen. Sie sind resigniert und einige wirken unzufrieden. Mit Entschiedenheit hält Jörg fest: „Es ist nie zu spät für eine neue, lebendige Beziehung mit Jesus. Es spielt keine Rolle, ob jemand 25 oder 75 Jahre alt ist – aus einer Beziehung mit Jesus findet sich neue Frische und echtes Leben.“

Für Jörg ist es wichtig, einen Hunger nach Jesus zu haben. In ihm finden wir echtes Leben. „Wir Rentner brauchen immer wieder neue Erfahrungen mit Jesus, damit unser Glaube frisch bleibt“, ist er überzeugt. „Nur so können auch unsere Erfahrungsschätze der Vergangenheit für andere ein Segen sein.“ Es ist dieser frische Glaube und diese tiefe Gemeinschaft mit dem gnädigen Gott, die echtes, ansteckendes Leben hervorbringen.
(Autor: Markus Richner-Mai; Quelle: Livenet)

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