Mittwoch • 12. Dezember
Spannende Diskussion über gelebtes Christsein
20. November 2018

Apologetik im offenen Gespräch

Lockerer Austausch: Die offene Diskussion kommt im Hossa Talk vor der dogmatischen Lektion. Foto: Fritz Imhof
Lockerer Austausch: Die offene Diskussion kommt im Hossa Talk vor der dogmatischen Lektion. Foto: Fritz Imhof

Basel (idea/im/dg) - Wann darf man in der Kirche völlig ungestört das Handy benutzen? Beim Hossa Talk. Das Publikum stellt Fragen über Gott und die Welt an das zwei- oder dreiköpfige Team via E-Mail oder Twitter. Und diese werden der Reihe nach nicht einfach beantwortet, sondern lebhaft diskutiert, erörtert, hinterfragt. Manchmal im Talk mit prominenten Gästen. Über das Wochenende traten Jay und Gofi in Basel, Zürich und Winterthur auf. idea schaute in Basel bei der Vineyard herein, wo sich am Freitagabend Jay und Gofi den Fragen des Publikums stellten.

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"Hossa Talk beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Christsein in einer komplexen, widersprüchlichen und manchmal chaotischen Welt leben lässt - tiefgründig, witzig und hemmungslos ehrlich." So stellt die Gruppe aus Marburg ihr Angebot und ihre Absicht vor. Gofi Müller (48) ist Musiker (Rhadio live). Er hat mit dem Buch "Flucht aus Evangelikalien: Über Gott, das Leiden und die heilende Kraft der Künste" Aufsehen erregt. Jay Friedrich (50) ist Sozial­pädagoge und Referent für Popularmusik. Die bislang 110 Talks sind als Podcasts auf der Hossa Talk Webseite abrufbar.

Keine allwissende Kirche

Der Hossa Talk will das Publikum interessierende Fragen über Gott, Glaube, Kirche oder Erlösung im offenen Gespräch angehen, auch wenn dabei keine fertigen Antworten herauskommen. Das Team setzt damit einen Kontrapunkt zu einem christlichen Umfeld, das auf vieles fertige Antworten hat, die nicht hinterfragt werden sollen. So wurde in Basel zum Beispiel die Frage diskutiert, ob es überhaupt eine Kirche braucht. Eine Frage, die in diesem Fall in einem anspruchsvollen Dialog erörtert und dann bejaht wurde. Man wolle nicht Standpunkte vertreten, sondern "Gehpunkte", so Gofi Müller. "Früher wollte ich Antworten geben, heute stelle ich Fragen." Die Kirche überfordere sich, wenn sie alles wissen und beantworten wolle.

Glauben in Gemeinschaft teilen

Jay Friedrich träumt von einer christlichen Welt, die sich um die zentralen Themen wie den Schöpfergott, der sich in Jesus Christus offenbart hat, und den erfahrbaren Heiligen Geist dreht, und sich nicht wegen Dogmen streitet und entzweit. Er möchte einen Glauben leben, der von Gott ergriffen ist, den man in Gemeinschaft mit andern Menschen teilt und feiert und wo man auch Menschen einen Platz lässt, die nicht oder anders glauben. Wie Martin Benz, Leiter der Vineyard Basel, gegenüber idea feststellte, ist der Anlass offensichtlich geeignet, auch Menschen an eine Veranstaltung zu bringen, die nicht in einen Gottesdienst kommen. 

Markus Till zu den Hossa Talks

Der promovierte Biologe Markus Till und engagierte Blogger sieht die Hossa Talks als Spiegel, in den Evangelikale sehen müssten, auch wenn es weh tue. In seinem Blog schreibt er über sechs Räume, denen es in Gemeinden manchmal mangle. Es gebe im "Raum zum Denken" genügend Gründe, klug und fundiert reden zu lernen über schwierige Bibelstellen, über die Verlässlichkeit der Bibel und andere Themen. Dann brauche es "Raum für die Vaterliebe Gottes", für "tiefe, geistgewirkte, heilsame Begegnungen mit dem himmlischen Vater". "Raum für das Wirken des Heiligen Geistes" werde die Grösse dieser Vaterliebe vor Augen malen und die Art verändern, wie biblische Wahrheiten weitergegeben würden. "Raum für ein unbelastetes Gewissen" sei Ziel der Unterweisung. "Raum für Gnade statt Leistung" zeige, dass Jesus nicht Leistung, sondern Frucht hervorbringen wolle. Markus Tills Reisefazit lautet deshalb: "Wir sind nicht etwa zu biblisch in 'Evangelikalien', wie einige liberale Christen im Hossa-Land meinen. Im Gegenteil: Wir sind noch viel zu wenig biblisch! Denn die Bibel lädt uns ja herzlich und wortreich ein, alle diese Räume zu öffnen, zu betreten und einzunehmen! Höchste Zeit, dass wir es tun!"

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