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Frage der Woche
04. Februar 2020

Umfrage: Über 70 Prozent glauben nicht an Frieden im Nahen Osten

Fast drei Viertel der Befragten glaubt nicht an Frieden zwischen Israel und den Palästinensern auf absehbare Zeit. Foto: pixabay.com
Fast drei Viertel der Befragten glaubt nicht an Frieden zwischen Israel und den Palästinensern auf absehbare Zeit. Foto: pixabay.com

Erfurt (idea) – Eine große Mehrheit der Bürger in Deutschland (72 Prozent) glaubt, dass es zwischen Israel und den Palästinensern auf absehbare Zeit keinen Frieden geben wird. Das ergab eine Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere (Erfurt) im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Lediglich sechs Prozent halten einen Friedensschluss für möglich. 18 Prozent wussten keine Antwort, vier Prozent gaben keine Antwort.

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Je älter die Befragten waren, desto skeptischer beurteilten sie die Aussichten: Während von den 18- bis 29-Jährigen 59 Prozent eine pessimistische Prognose abgaben, waren es bei den Befragten ab 60 Jahren 81 Prozent. In den anderen Altersgruppen lagen die Werte zwischen 66 und 74 Prozent. In der jüngsten Altersgruppe erklärten außerdem mit 23 Prozent besonders viele Befragte, dass sie keine Antwort wissen (Über 60-Jährige: 12 Prozent).

Bei der Aufschlüsselung nach Konfessionen gaben Katholiken mit 77 Prozent am häufigsten an, dass sie nicht an einen baldigen Frieden im Nahen Osten glauben. Bei den Konfessionslosen waren es 75 Prozent, gefolgt von den landeskirchlichen Protestanten mit 71 Prozent und den freikirchlichen mit 68 Prozent. Auch Muslime äußerten sich mehrheitlich pessimistisch (63 Prozent).

Unter den Wählergruppen herrscht relative Einigkeit, dass die Chancen für einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern schlecht stehen. Die Wähler von CDU/CSU und AfD glauben das zu jeweils 79 Prozent. Es folgen die Anhänger von Bündnis 90/Die Grünen (76 Prozent), SPD (74 Prozent), FDP (73 Prozent) und Die Linke (70 Prozent).

Christen im Heiligen Land sind uneins

Anlass für die Umfrage ist die Vorstellung eines Nahost-Plans durch US-Präsident Donald Trump am 28. Januar in Washington in Anwesenheit des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Er sieht nach Trumps Angaben eine „realistische Zwei-Staaten-Lösung“ für Israel und die Palästinenser vor.

Jerusalem soll Israels „ungeteilte Hauptstadt“ bleiben. Die Palästinenser sollten dem Plan zufolge die Möglichkeit erhalten, einen eigenen Staat zu gründen, dessen Hauptstadt im Ostjerusalemer Vorort Abu Dis wäre. Die USA würden die jüdischen Siedlungen im Westjordanland als israelisches Staatsgebiet anerkennen. Nach Angaben der Vereinten Nationen hält Israel das Westjordanland dagegen völkerrechtswidrig besetzt.

Christen im Heiligen Land beurteilen den Plan völlig gegensätzlich: Die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) sieht in ihm „einen Weg in eine bessere Zukunft für beide Völker“ (Israelis und Palästinenser, Anm. d. Red.).

Der an der Bibelschule „Bethlehem Bible College“ lehrende Theologe Yohanna Katanacho kritisiert dagegen den Plan, weil er „die Spannungen im Nahen Osten verschärft“. Ähnlich äußerte sich die „Versammlung der Katholischen Ordinarien im Heiligen Land”. Dieser Plan wird keine Lösung bringen, sondern eher zu mehr Spannungen und wahrscheinlich zu mehr Gewalt und Blutvergießen führen.