Donnerstag • 27. Februar
Impulstag zum Thema Sexualität
11. Februar 2020

Über Sexualität reden lernen

Madeleine Rytz: Sexualerziehung legt den Grund für eine erfüllende Sexualität. Foto: Peter Schmid
Madeleine Rytz: Sexualerziehung legt den Grund für eine erfüllende Sexualität. Foto: Peter Schmid

Spiez (idea) - Wenn die sexuelle Aufklärung von Kindern früher oft verspätet und verschämt geschah, erfordern heute Pornos aus dem Internet, die auf Schüler-Handys zirkulieren, ein frühes, flexibles Handeln. Die Verantwortlichen des Evangelischen Gemeinschaftswerks EGW luden Fachleute des Schweizerischen Weissen Kreuzes SWK für einen thematischen Impulstag ein. Madeleine Rytz umriss, wie gelingende Sexualerziehung den Boden für spätere erfüllende Sexualität bereitet: Sie geschieht im Alltag, setzt eine Kultur des Vertrauens voraus und schliesst das Weitergeben von Werten und sozialen Normen ein. Die Fragen des Kindes sind zu beantworten. "Sprachlosigkeit ist nicht gut - in keiner Situation!"

ANZEIGE

Das Ja zum eigenen Körper fördern

Sexualpädagogin Rytz riet, die Jahre zu nutzen, um Kindern eine positive Grundstimmung zu vermitteln. Dazu gehören das Ja zum eigenen Körper (angemessene Nähe, Intimität in Grenzen) und der sorgfältige Umgang mit Ängsten und anderen Gefühlen. Sexualerziehung soll die Grundlage legen fürs erwachsene Ausleben der Sexualität im geschützten Raum, den der Bund der Ehe bietet.

Wer sind die Vorbilder unserer Kinder?

Eltern sind Vorbilder; sie sollen als Experten liebevoll und zeitig agieren und das Feld nicht den Medien überlassen. Teenies wollen ernst genommen werden. "In der Pubertät zeigt sich", so Madeleine Rytz, "was die Kinder gelernt und durchdacht, ob sie es sich zu eigen gemacht haben." Neben den Eltern sind Jugendleiter in der Gemeinde erstrangige Gesprächspartner.

Pornos schaden

Matthias Bischofberger machte deutlich, was Pornografie anrichten kann, und nannte Gründe, sie zu meiden. Sie steht einer erfüllten Paarbeziehung im Weg, indem sie die seelische Dimension und die Beziehungsebene von Sexualität ausklammert. Pornos sind ein Milliardenbusiness mit kriminellen Machenschaften; der Referent wies auf ihr Suchtpotenzial und ihre Alltagsferne hin. Wenn Männer meinen, sie könnten Pornos gucken, ohne ihre Ehe zu schädigen, täuschten sie sich. Bischofberger riet ihnen, Gott zuzutrauen, dass er ihr Verlangen auf gute Weise stillt.

Der Fächer der Prävention

Nach Hinweisen zu Sex-Inhalten in sozialen Medien und den einschlägigen Artikeln des Strafgesetzbuchs kamen die Referenten auf die Prävention von sexuellem Missbrauch in christlichen Gemeinden zu sprechen. Die offene, herzliche Gemeinschaft in Christus soll ungetrübt sein - dazu trägt nicht das Verschweigen, sondern das Enttabuisieren des Themas bei. Gemeinden sollen sensibilisieren, alles gegen Übergriffe vorkehren und ein Meldesystem einrichten. Der Vormittag endete mit differenzierten Bemerkungen zur Selbstbefriedigung. - Das Team des gastgebenden EGW Spiez bewältigte den Ansturm von 200 Personen bravourös; für die meisten wurde gekocht. Am Nachmittag konnten die Jugendleiterinnen und -leiter, Gemeindeverantwortlichen und Pastoren zwei von drei Workshops besuchen.

Die Zeit als Single nutzen

Susanna Aerne schilderte alltagsnah, wie Paare eine Liebesbeziehung aufbauen können, die trägt und beglückt. Den Jugendlichen machte sie Mut, ihre Single-Zeit zu nutzen, um sich selbst kennen zu lernen und zu entwickeln. 
(Autor: Peter Schmid)