Montag • 16. September
Digitalisierung
31. August 2019

Jeder fünfte Arbeitnehmer ist digital gestresst

Das Gefühl der ständigen Erreichbarkeit und eine erwartete kürzere Reaktionszeit durch das Auflösen der Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben können für Mitarbeiter Stressfaktoren sein. Symbolfoto: pixabay.com
Das Gefühl der ständigen Erreichbarkeit und eine erwartete kürzere Reaktionszeit durch das Auflösen der Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben können für Mitarbeiter Stressfaktoren sein. Symbolfoto: pixabay.com

Bayreuth (idea) – Knapp jeder fünfte Arbeitnehmer empfindet starken digitalen Stress. Das hat die Studie „Gesund digital arbeiten?!“ ergeben, wie die Universität Bayreuth am 30. August mitteilte. Beteiligt waren Wissenschaftler des Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT (Augsburg), des Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrums für Fragen der mittelständischen Wirtschaft an der Universität Bayreuth und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Dortmund).

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Ablenkung durch digitale Medien wird als stressig empfunden

Die Forscher untersuchten zwölf Belastungsfaktoren, darunter den gefühlten Zwang zur Omnipräsenz, das Gefühl der ständigen Erreichbarkeit, eine erwartete kürzere Reaktionszeit durch das Auflösen der Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben oder die gefühlte Beschleunigung und Zunahme von Arbeit durch wachsende bereitgestellte Informationen. Als stressig würden auch Unterbrechungen und Ablenkung durch digitale Medien empfunden. Außerdem fühlten sich viele Menschen mittlerweile als „gläserne Person“, weil sie ihre Privatsphäre durch die berufliche Nutzung digitaler Technologien und Medien in Gefahr sehen. Der Studie zufolge denken digital Gestresste öfter daran, die Arbeitsstelle oder den Beruf zu wechseln, zeigen eine schlechtere Leistung und sind unzufriedener mit ihrer Arbeitsstelle. Mitarbeiter in Betrieben mit mehr als 250 Beschäftigten empfinden eher Stress als Mitarbeiter in kleineren Betrieben. Mitarbeiter in hierarchisch geprägten Unternehmen sind weniger vom digitalen Stress betroffen als Beschäftigte in innovativen Unternehmen, die sich durch Kreativität und Risikobereitschaft auszeichnen.

Wozu digitaler Stress führt

Laut dem Studienautor Prof. Torsten Kühlmann (Bayreuth) berichten Erwerbstätige mit starkem digitalem Stress häufiger, dass sie Probleme haben, von der Arbeit abzuschalten. Digitaler Stress gehe meist mit sozialen Konflikten am Arbeitsplatz, einer hohen emotionalen Anforderung sowie einer hohen Arbeitsquantität einher. Doch es gibt auch Möglichkeiten, den digitalen Stress zu senken: Laut dem Studienautor Prof. Nils Urbach (Augsburg) kann etwa mehr Freiraum bei arbeitsrelevanten Entscheidungen sowie eine gute Beziehung zu Vorgesetzten dem entgegenwirken. Für die Studie wurden 5.005 Erwerbstätige zwischen 18 und 67 Jahren im Zeitraum von Dezember 2018 bis Februar 2019 online befragt.

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