Sonntag • 24. März
Tagung in Fribourg
16. März 2019

Religion ist Teil der Öffentlichkeit

Marianne Streiff (EVP), Andreas Kyriacou, Marc Jost (EVP) Heiner Bielefeldt, Eric Nussbaumer (SP), Gerhard Pfister (CVP). Foto: SEA
Marianne Streiff (EVP), Andreas Kyriacou, Marc Jost (EVP) Heiner Bielefeldt, Eric Nussbaumer (SP), Gerhard Pfister (CVP). Foto: SEA

Fribourg (idea/sea) - Für viele Schweizerinnen und Schweizer ist der Glaube an Gott eine wichtige Grundlage für ihr gesellschaftliches Engagement. Auf der anderen Seite gibt es vermehrt Menschen, die Religion zwar noch als private Option tolerieren, ihr aber keine öffentliche Anerkennung mehr zugestehen.

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"Religionsfreiheit ist Menschenrecht"

"Mit 'stummer Andersheit' kann man nicht umgehen. Deshalb zielen die Menschenrechte - und gerade auch die Religionsfreiheit - darauf ab, dass Menschen ihre Überzeugungen frei und öffentlich artikulieren können." Professor Heiner Bielefeldt, ehemaliger Uno-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, nahm an einer Tagung an der Universität Fribourg Stellung für die öffentliche Präsenz von Religion. Er gab zu bedenken: "Ein Staat, der religiöse Fragen in die Privatsphäre abdrängt, verletzt damit die Religionsfreiheit." Doch genau diese Tendenz stellte EVP-Nationalrätin Marianne Streiff fest. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion sagte sie: "Es wird heute schon fast als übergriffig dargestellt, wenn man seine Religiosität öffentlich zeigt."

Grosskirchen nicht mehr privilegieren?

Andreas Kyriacou von der Freidenker-Vereinigung gesteht Religionsgemeinschaften zwar einen Platz in der Öffentlichkeit zu. Ihn stört aber die Sonderstellung der Landeskirchen. Der Staat solle religiöse Organisationen gleich behandeln wie andere zivilgesellschaftliche Akteure, beispielsweise Umweltschutzorganisationen, forderte Kyriacou. Für CVP-Nationalrat Gerhard Pfister wäre es durchaus reizvoll zu beobachten, wie die Landeskirchen sich ohne staatliche Gelder schlagen würden. "Es würde sie möglicherweise aus einer gewissen Bequemlichkeit herausholen", meinte Pfister. Mit Eric Nussbaumer (SP) diskutierte ein weiterer Nationalrat auf dem Podium mit.

Bielefeldt: "Schweiz geht rigide um mit Freikirchen"

An der von der Universität Fribourg und der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA organisierten Tagung wurde die Rolle von Religion in der Öffentlichkeit auch in verschiedenen Workshops betrachtet. Die Diskussionen drehten sich um Fragen wie, wie sollen sich religiöse Vertreter zu assistiertem Suizid äussern oder wie können sich die häufig in die Sektenecke geschobenen Freikirchen von dieser Diskriminierung befreien? Diesen Workshop leitete der Präsident des Verbandes Freikirchen Schweiz, Peter Schneeberger. Tatsächlich werden in der Schweiz Freikirchen von Religionsexperten und Medien regelmässig in den Dunstkreis der Sekten gesetzt. Für Schneeberger und viele Tagungsteilnehmende war es entsprechend aufschlussreich vom Professor Bielefeldt zu hören, dass die Schweiz "einen sehr rigiden Umgang mit Freikirchen" habe. Das sei bemerkenswert anders als in den meisten Ländern Europas, stellte Bielefeldt fest.

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