Samstag • 23. November
Pro und Kontra
30. Oktober 2019

Klimaprotest: Als Christ Straßen blockieren?

Umweltaktivisten von Extinction Rebellion blockieren die Stresemannstraße vor dem Bundesumweltministerium in Berlin. Foto: picture alliance/Paul Zinken/dpa
Umweltaktivisten von Extinction Rebellion blockieren die Stresemannstraße vor dem Bundesumweltministerium in Berlin. Foto: picture alliance/Paul Zinken/dpa

Wetzlar (idea) – Bei den Klimaprotesten macht neben „Fridays for Future“ eine weitere Gruppe von sich reden: Extinction Rebellion (Aufstand gegen das Aussterben). Mit Mitteln des zivilen Ungehorsams – etwa Straßenblockaden – will sie ein Massenaussterben als Folge der Klimakrise verhindern. „Können sich Christen anschließen?“

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Auf diese Frage antworten zwei evangelische Pfarrer in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Ziviler Ungehorsam als legitimes Mittel

„Ziviler Ungehorsam ist ein legitimes Mittel der demokratischen Kultur“, meint Pfarrer Thomas Zeitler (Nürnberg). Er ist in Nürnberg in der Basisgemeinde Lorenzer Laden, an der Kulturkirche St. Egidien und in der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) tätig. Er habe am 7. Oktober mit Hunderten anderen Klimaaktivisten von „Extinction Rebellion“ auf den Straßen rund um die Siegessäule in Berlin gesessen, um sie zu blockieren. Mit seinem Protest sei es ihm so ernst, dass er bereit sei, dafür ins Gefängnis zu gehen: „Wie die ersten Christen für ihren Glauben.“

Nach seiner Ansicht sind die Ergebnisse der Klimaforschung eindeutig: „Wir haben nur noch etwa zwölf Jahre, um mit einem radikalen Umsteuern beim CO2-Ausstoß die Erderwärmung unter 1,5 Grad halten zu können. Dann drohen Kipppunkte, die unaufhaltbare und chaotische Prozesse in Gang setzen.“ Die Maßnahmen der Regierungen seien ungenügend: „Es braucht Druck von außen. Gebet allein wird da nicht helfen.“ Aktionen des zivilen Ungehorsams seien für ihn der richtige Weg, um von Politik und Öffentlichkeit einzufordern: „Sagt die Wahrheit! Handelt jetzt!“

Apokalyptischer Psychoterror

Anderer Ansicht ist der Pfarrer im Dorf der Theodor-Fliedner-Stiftung in Mülheim an der Ruhr, Achijah Zorn. Er sieht in „Extinction Rebellion“ eine apokalyptische Bewegung: „Zum zehntausendsten Mal in der Geschichte der Menschheit wird uns der Weltuntergang angedroht. Jetzt soll es 2025 sein.“ Er kritisiert, dass man „diesen göttlichen Propheten nicht widersprechen“ dürfe, „denn sie allein haben die Wahrheit gepachtet“. Wenn Tausende Professoren das anders sehen, dann seien das „Wahrheitsverweigerer und Schwefelbuben“.

Getoppt wird dieser apokalyptische Psychoterror nach Ansicht von Zorn von Christen, „die freimütig das Taufwasser über diese Bewegung sprengen“: „Karfreitag wird zum spirituellen CO2-Trauertag im von der Nordsee überspülten Kölner Dom. Ostern wird zum klimaneutralen Hoffnungsfest.“ Doch in dieser Oster-Ideologie gebe es nur die Sehnsucht, „dass die Welt doch nicht untergeht“. Zorn hält dies für eine „dürre Hoffnung“. Sein Fazit: „Bewahrt mir bitte die schöne Braut Umweltschutz vor diesen gnadenlosen Ideologen von Extinction Rebellion!“