Dienstag • 19. Januar
Pleite für Hellseher
10. Dezember 2020

Keiner hatte Corona auf dem Zettel

Wahrsager lagen auch 2020 daneben. Foto: pixabay.com
Wahrsager lagen auch 2020 daneben. Foto: pixabay.com

Roßdorf (idea) – Astrologen, Wahrsager und Hellseher haben sich mit ihren Vorhersagen für 2020 „auf ganzer Linie“ blamiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP/Roßdorf bei Darmstadt), die die Prognosen der esoterischen Augurenzunft auswertet. Wie die Organisation am 10. Dezember mitteilte, hätte 2020 das Jahr der Hellseher sein können: „Hätten Vertreter dieser Zunft Anfang des Jahres in ihren Prognosen Stichworte wie Lockdown oder Maskenpflicht erwähnt, man hätte sie zwar anfangs belächelt, aber bereits im Frühjahr hätten sie stolz auf ihre Prognosetreffer verweisen können.“ Doch die weltweite Corona-Pandemie und ihre Folgen suche man in den Vorhersagen vergeblich.

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Für den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit fast 20 Jahren die Weissagungen auswertet, kommt das nicht überraschend: „Prognosen beziehen sich in der Regel auf bereits bekannte Szenarien, und da gehörte eine Pandemie und ihre Folgen bisher nicht dazu.“ Es habe lediglich im Nachhinein verschiedene astrologische Erklärungen der Pandemie gegeben. „Nur warum fiel das diesen und anderen Sterndeutern erst auf, als die Pandemie begonnen hatte“, fragt die GWUP.

Einige Protagonisten der Szene hätten versucht, frühere „sehr schwammige Prognosen“ als Hinweis auf Corona zu deuten. So habe die Astrologin Elizabeth Teissier für den 12. Januar ein „schlimmes Ereignis“ vorausgesagt und das ebenso als Hinweis auf Corona interpretiert wie ihr Kollege Christoph Niederwieser. Er hatte in einem seiner Texte aus dem Jahr 2016 von Krisen und möglichem Wandel gesprochen. Kunkel: „Wenn man einen Prognosetreffer nachträglich wortreich erklären muss, dann kann die Prognose nicht so toll gewesen sein.“

Kein vorhergesagter Banküberfall durch einen Roboter

Wieder einmal voll daneben lag die kanadische Wahrsagerin Nikki Pezaro, die für skurrile Vorhersagen bekannt ist. Aber weder wurde ein Riesenaffen à la King Kong auf einer einsamen Insel entdeckt, noch hat ein Roboter eine Bank überfallen oder haben Pinguine in einer Stadt die Bewohner belästigt.

Laut der Mitteilung waren die üblichen Prognosen zu Naturkatastrophen entweder trivial oder zu ungenau. So gebe es jedes Jahr Waldbrände in Australien oder Kalifornien. Bei Erdbeben wolle man vorher schon „das ungefähre Datum wissen“.

Sportprognosen seien durch Corona-Krise „ausgebremst“ worden. So konnte die englische Fußballnationalmannschaft – anders als vom Hellseher Nicolas Aujula prophezeit – kein wichtiges Turnier gewinnen. Die US-Astrologin Judy Hevenly nahm laut GWUP noch im Januar prognostizierte Olympiasieger von ihrer Internetseite. Weder die Fußball-Europameisterschaft noch die Olympischen Sommerspiele konnten wegen der Corona-Pandemie 2020 stattfinden.

US-Wahl: Viele unterschiedliche Vorhersagen

Hinsichtlich der US-Präsidentenwahl ist laut GWUP „jedes denkbare Szenario“ vorhergesagt worden. So hätten der Leipziger Palmblattdeuter Thomas Ritter und der US-Fernsehprediger Pat Robertson Trumps Sieg vorausgesagt. Der Astrologe Dincer Güner habe dessen Abwahl prognostiziert. Andere Auguren wie Judy Hevenly, Nikki Pezaro und der Hellseher Craig Hamilton-Parker seien sicher gewesen, dass Joe Bider nicht antreten würde. Nur eine Prognose gab es laut Kunkel nicht: „Dass Trump das Ergebnis der Wahl in vielen Bundesstaaten vor Gericht anfechten würde, hat meines Wissens niemand prophezeit.“

Er räumt zugleich ein, dass der Vorsitzende des Deutschen Astrologenverbandes, Klemens Ludwig (Tübingen) einen Treffer gelandet hat. Dieser hatte sich Ende 2018 festgelegt, dass der deutsche Aktienindex DAX bis 2024 „auf mindestens 8.500 Punkte fallen würde“. Im März 2020 war es laut Kunkel dann so weit – wenn auch nur an wenigen Tagen.

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften ist ein wegen Förderung der Volksbildung als gemeinnützig anerkannter Verein. In ihm engagieren sich über 1.900 Wissenschaftler und Interessierte für Aufklärung und kritisches Denken, für sorgfältige Untersuchungen parawissenschaftlicher Behauptungen sowie die Popularisierung wissenschaftlicher Methoden und Erkenntnisse.