Samstag • 20. Oktober
Mörfelden-Walldorf
28. September 2018

Jesus zeigt den Mittelfinger: Das ist unpassend

Das Bild wurde mit Erlaubnis der Stadtverwaltung bei einer Kunstaktion, dem „Graffiti-Hip-Hop-Jam“, von Besuchern des städtischen Jugendzentrums erstellt. Foto: Stadt Mörfelden-Walldorf
Das Bild wurde mit Erlaubnis der Stadtverwaltung bei einer Kunstaktion, dem „Graffiti-Hip-Hop-Jam“, von Besuchern des städtischen Jugendzentrums erstellt. Foto: Stadt Mörfelden-Walldorf

Mörfelden (idea) – Eine umstrittene Wandzeichnung in der Bahnhofunterführung im südhessischen Mörfelden-Walldorf sorgt für Diskussionen. Sie zeigt eine überlebensgroße Jesus-Figur mit offenen Armen, die aber den Passanten mit beiden Händen den ausgestreckten Mittelfinger zeigt. Das Bild wurde mit Erlaubnis der Stadtverwaltung bei einer Kunstaktion, dem „Graffiti-Hip-Hop-Jam“, von Besuchern des städtischen Jugendzentrums erstellt. Christen aus der örtlichen Freien evangelischen Gemeinde (FeG) fühlen sich durch das Graffiti in ihrem Glauben gekränkt. „Ich halte die dargestellte Geste im Blick auf Jesus Christus für unpassend“, sagte der Pastor der Gemeinde, Ralf Broszat, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. In der Öffentlichkeit müsse nichts dargestellt werden, was andere verletze. Wenn man etwa einem Polizisten den Mittelfinger zeige, erhalte man eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. Ein solches Verhalten passe nicht zum Sohn Gottes. Andererseits hätten wohl die meisten der 32.000 Einwohner der Doppelstadt die Darstellung überhaupt noch nicht bemerkt. Es blieben auch keine Passanten stehen, um sich das Bild genauer anzuschauen. Zwar sei Kunstfreiheit wichtig, doch verstehe er nicht, was der Künstler mit der Darstellung überhaupt aussagen wolle. Deshalb sei es auch nicht nötig, gegen die Zeichnung einen „Massenprotest“ auszulösen.

ANZEIGE

Pfarrerin: Es ist nicht schlecht, Diskussionen auszulösen

Pfarrerin Meike Sohrmann von der Evangelischen Kirchengemeinde Mörfelden sagte der „Frankfurter Rundschau“, sie können verstehen, dass die Darstellung Gefühle verletze. Andererseits habe Jesus zu seinen Lebzeiten auch provoziert – allerdings eher mit seiner Nächstenliebe. Die sei das Gegenteil der Geste mit dem Mittelfinger: „Es ist aber nicht schlecht, Diskussionen auszulösen.“

Katholischer Stadtrat: Schöpfer ärgert sich über die Zerstörung der Natur

Hinter die Aktion stellte sich der Erste Stadtrat Burkhard Ziegler (Freie Wähler). Er bedauert, dass das Bild in den meisten Medien auf den erhobenen Mittelfinger reduziert werde: „Jesus steht auf einem Scherbenhaufen und weint.“ Über das Bild sagte er idea weiter: „Als Botschaft nehme ich mit: Wir müssen uns überlegen, was wir mit der Schöpfung Gottes anstellen. Es wird Liebe und Barmherzigkeit gepredigt. Aber wir haben viele Kriege und zerstören die Natur.“ Er könne sich vorstellen, dass der Schöpfer sich darüber „sehr ärgern würde“. Die Kunst- und Meinungsfreiheit sei durch das Grundgesetz geschützt. Deshalb werde die Stadt das Jesus-Graffiti nicht entfernen. Andererseits hätten solche Zeichnungen immer nur eine begrenzte Lebensdauer, so der Katholik. Ziegler lud eine Kunstklasse der Bertha-von-Suttner-Schule und interessierte Bürger zu einem Meinungsaustausch in die Bahnhofunterführung ein.

Das Evangelium weitergesagt

Nach den Worten von Pastor Broszat waren Mitglieder seiner Gemeinde bei dem Treffen. Sie hätten die Gelegenheit genutzt, öffentlich das Evangelium von Jesus Christus zu bezeugen. Der namentlich in den Medien nicht genannte Künstler hat sich zu seinem Werk bisher nicht geäußert. Die Freie evangelische Gemeinde Mörfelden-Walldorf hat knapp 100 Mitglieder.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

9 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.