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Unfall
06. Februar 2019

Samuel Koch: „Ich habe meinen Körper lange als meinen Feind gesehen“

Der querschnittsgelähmte Schauspieler Samuel Koch. Foto: Privat
Der querschnittsgelähmte Schauspieler Samuel Koch. Foto: Privat

Wetzlar (idea) – Der querschnittsgelähmte Schauspieler Samuel Koch (Mannheim) hat seinen Körper lange als einen Feind gesehen, gegen den er kämpfen muss. Das sagte Koch in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Der ehemalige Kunstturner ist seit seinem Unfall 2010 bei der Fernsehsendung „Wetten, dass..?“ vom Hals abwärts gelähmt. 2014 legte er als erster Rollstuhlfahrer das Schauspieldiplom ab und ist seit 2018 am Nationaltheater Mannheim tätig. Koch bekannte, zu seinem Körper „eine Art Hassliebe“ zu empfinden: „Wenn er so abgehungert daliegt, habe ich schon auch Mitgefühl für ihn. Ich versuche, auch diesen Feind zu lieben und meinen Körper als Tempel zu sehen, der gepflegt werden will.“ Er habe sich lange gegen den Rollstuhl gesträubt und daran geglaubt, dass er die Klinik auf seinen eigenen Füßen verlassen werde, so Koch. Darin habe er sich getäuscht. Koch zufolge gibt es für ihn dennoch viele Gründe, dankbar zu sein. Er lebe in Europa und werde medizinisch gut versorgt. Ihm stünden fünf Assistenten zur Verfügung, er habe einen Rollstuhl und sei dankbar für seine Wohnung, die Arbeit und das barrierefreie Auto, mit dem er mobil sein könne. Dankbarkeit sei „eine gesunde Selbstmanipulation“. Koch: „Man sollte sich manchmal selbst schütteln und sich daran erinnern, dankbar zu sein.“

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Koch: Musste lernen, mir selbst, anderen und Gott zu vergeben

Koch bekannte, das er nach seinem Unfall lernen musste, sich selbst, anderen und Gott zu vergeben. Er ärgere sich manchmal darüber, dass er „so ein Holzkopf sein konnte“ und die Wette angenommen habe. Er war bei dem Versuch verunglückt, ein fahrendes Auto mit Sprungfedern an seinen Füßen zu überwinden. Er habe ein „unvergebenes, bohrendes Gefühl“ in sich getragen, so Koch. Er wisse, dass „es keinen Weg zurück gibt und kein Gebet der Welt, kein Vaterunser, kein Rosenkranz mich von dem Schmerz erlösen wird, den ich jeden Morgen aufs Neue spüre, wenn ich aufwache und sehe, was ich bin – nämlich querschnittsgelähmt“. Die Zeit dieses bohrenden Gefühls sei glücklicherweise abgeschlossen, weil er sich selbst vergeben konnte. Zudem habe er auch gelernt, Freunden und Mitchristen zu vergeben, die ihn zu der Wette ermutigt hatten. Letztendlich habe er die Entscheidung selbst getroffen und könne sie auf niemanden abwälzen. Zur Frage, warum er Gott vergeben musste, sagte Koch, er wollte sich in der „Wetten, dass..?“-Sendung „vom Heiligen Geist tragen lassen und von Gott erzählen“. Dies sei sein Hauptantrieb gewesen. Wahrscheinlich habe ihn das beim Sprung nervös gemacht. Koch: „Ich wollte ja nicht den Affen im Zirkus spielen, sondern den Leuten etwas Gutes mitgeben. Wenn ich gewusst hätte, dass Gottes Antwort so ausfällt, hätte ich lieber was anderes gemacht.“ Er habe nach dem Unfall jedoch erkannt, „dass Gott mich nur physisch fallen gelassen hat – zugleich wurde ich von ihm auch aufgefangen“.

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