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Elisabeth Motschmann
19. August 2019

Ich bin in vielerlei Hinsicht Feministin geworden

Die CDU-Politikerin und engagierte Protestantin Elisabeth Motschmann. Foto: www.elisabeth-motschmann.de
Die CDU-Politikerin und engagierte Protestantin Elisabeth Motschmann. Foto: www.elisabeth-motschmann.de

Hamburg (idea) – Die CDU-Politikerin und engagierte Protestantin Elisabeth Motschmann (Bremen), die früher Verfechterin der klassischen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau war, ist „in vielerlei Hinsicht zur Feministin geworden“. Das bekennt sie in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Hamburg). Früher sei sie überzeugt gewesen, dass es unmöglich sei, sich verantwortungsvoll um die Entwicklung eines Kindes zu kümmern und gleichzeitig Karriere zu machen. Heute sage sie, dass beides geht, so die Sprecherin für Kultur und Medien der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nach den Worten der 66-Jährigen sind viele Frauen ihrer Generation, als sie Mutter wurden, in Teilzeit gegangen oder haben ihren Beruf ganz aufgegeben. Das seien jetzt diejenigen, die mit den geringen Renten klarkommen müssten – insbesondere wenn sie geschieden seien. Motschmann kritisiert scharf, dass es für Frauen nach wie vor schwerer sei, leitende Aufgaben in Politik und Wirtschaft zu bekommen: „Es fuchst mich, dass es für Männer immer noch viel leichter ist, in hohe Ämter und Positionen zu gelangen. Ich habe das im Berufsleben auf Schritt und Tritt erlebt, das hat meine Sicht verändert.“ Frauen hätten heute teilweise die besseren Abiturzeugnisse und Examina und die gleichen Praktikumserfahrungen. Deshalb ärgere es sie, „wenn die Bildungsrendite von Männern deutlich besser ist als bei Frauen“, so die stellvertretende Landesvorsitzende der CDU Bremen.

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Frauen in Leitungsfunktionen „absolut unterrepräsentiert“

Es sei ein „Unding“, dass Frauen in Leitungsfunktionen „absolut unterrepräsentiert“ seien. Die Zahl der Frauen im Bundestag sei sogar wieder geschrumpft, gerade in der Unionsfraktion. Dort habe der Frauenanteil schon mal bei 25 Prozent gelegen, jetzt sei er auf 20 abgesackt. In den Ministerien seien deutlich mehr Männer als Frauen in Spitzenpositionen. Das Gleiche gelte für Rundfunkanstalten, Gewerkschaften, Banken, Versicherungen und Dax-Unternehmen: „Das ist doch deprimierend.“ Motschmann räumt ein, dass Frauen eine Mitschuld an der Misere tragen. Ihnen stehe bisweilen ihre Selbstreflexion im Weg. Frauen fragten sich oft: „Kann ich das, bin ich richtig ausgebildet, passt das? Wir haben sehr viele Selbstzweifel, oft einen Mangel an Selbstbewusstsein.“ Nach Ansicht der Politikerin gehen Frauen „unaufgeregter, selbstverständlicher und vielleicht auch bescheidener mit der Macht um. Ohne Allüren.“

Keine Feministin, wenn es um Abtreibung geht

Forderungen von Feministinnen, den Abtreibungsparagrafen 218 abzuschaffen, teile sie aber nicht, so Motschmann. Das Lebensrecht des Kindes habe für sie den gleichen Wert wie die Selbstverwirklichung der Frau. Die Politikerin bezeichnet es als traurig, dass es in Deutschland etwa 100.000 Abtreibungen pro Jahr gebe. Sie verurteile keine Frau, die abtreibe, und stehe zur Indikationsregelung. Spätabtreibungen oder eine schleichende Ausweitung der Abtreibungspraxis seien für sie aber ein Tabu.

Gegen gendergerechte Sprache beim Wort Gottes

Zur Frage, ob sie inzwischen auch glaube, dass Gott weiblich sei, sagte Motschmann: „Nee, das geht zu weit. An der Stelle hört‘s bei mir auf.“ Beim Wort Gottes habe gendergerechte Sprache nichts zu suchen: „An der biblischen Sprache sollte man nicht herumbasteln.“ Elisabeth Motschmann ist seit 1971 verheiratet mit Pastor Jens Motschmann. Sie haben drei Kinder. Rückblickend sagte die Politikerin in dem Interview dazu: „Ich habe meinen Mann gern in seiner Arbeit unterstützt und hatte nie das Gefühl, dass ich benachteiligt oder zurückgesetzt bin.“ 1986 veröffentlichte sie ein Buch mit dem Titel „Nur Hausfrau? Zeit haben für die Zukunft unserer Kinder.“

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