Sonntag • 25. August
Frankfurt
31. Juli 2019

Hunderte bei Trauerandacht für getöteten Jungen

Die Trauerandacht von evangelischen und katholischen Geistlichen auf dem Bahnhofsvorplatz wurde auch im HR-Fernsehen übertragen. Screenshot: YouTube/hrfernsehen
Die Trauerandacht von evangelischen und katholischen Geistlichen auf dem Bahnhofsvorplatz wurde auch im HR-Fernsehen übertragen. Screenshot: YouTube/hrfernsehen

Frankfurt am Main (idea) – Rund 400 Menschen haben an einer Trauerandacht für den achtjährigen Jungen teilgenommen, der am 29. Juli auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt am Main getötet worden war. Der mutmaßliche Täter, ein 40-jähriger Eritreer, hatte das Kind und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Das Kind wurde vom Zug überrollt und starb, die Frau konnte sich retten und wurde verletzt. Die Andacht am Abend des 30. Juli auf dem Bahnhofsvorplatz wurde von evangelischen und katholischen Geistlichen gestaltet. Wie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auf ihrer Internetseite berichtet, griff der Leiter der ökumenisch geführten Bahnhofsmission, Diakon Carsten Baumann, die Frage nach dem „Warum“ auf und antwortete: „Wir wissen es nicht. Das müssen wir aushalten. Aber der mitleidende Gott fängt uns in unserem Nichtverstehen auf.“ Baumann kritisiert, dass einige in den sozialen Medien die Tat nutzten, um die Spaltung der Gesellschaft weiter voranzutreiben. Es spiele keine Rolle, ob der Täter Zuwanderer sei oder nicht. Es bleibe eine „sinnlose Katastrophe“. Die Pfarrerin der unweit des Bahnhofs gelegenen Evangelischen Hoffnungsgemeinde, Jutta Jekel, sagte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Gedanken des Hasses um sich greifen.“ An der Andacht wirkte auch der Pfarrer der örtlichen katholischen eritreischen Gemeinde, Abba Dawit Zeramariam, mit. Er betete: „Gott hilf uns, dass wir den Frieden in unserer Stadt mit allen Menschen bewahren können!“ Laut dem Bericht der EKHN war die Stimmung vor dem Beginn der Andacht auf dem Bahnhofsvorplatz aufgeheizt. Bündnisse wie „Aufstehen gegen Rassismus“ waren mit Transparenten gekommen. Darauf stand unter anderem „Flüchtlinge willkommen“. Einige Passanten führten mit Vertretern der Bündnisse lautstarke Diskussionen über Zuwanderung. Die Polizei war mit einem Großaufgebot angerückt.

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Der mutmaßliche Täter galt in der Schweiz als „gut integriert“

Der mutmaßliche Täter war in der Schweiz polizeibekannt und wurde dort seit dem 25. Juli gesucht. Er hatte laut Bundespolizeipräsident Dieter Romann (Potsdam) eine Nachbarin mit dem Messer bedroht, eingesperrt und war dann geflohen. Der Verdächtige habe 2008 in der Schweiz Asyl erhalten und besitze dort die Niederlassungsbewilligung C, das heißt „gut integriert“.

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