Montag • 24. Juni
Internationale Berliner Begegnung
07. Juni 2019

Gebetsfrühstück: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit

Rund 350 Politiker, Diplomaten, Kirchenvertreter und Führungskräfte aus 48 Ländern nahmen am Gebetsfrühstück im Rahmen der 24. Internationalen Berliner Begegnung teil. Foto: idea/Daniela Städter
Rund 350 Politiker, Diplomaten, Kirchenvertreter und Führungskräfte aus 48 Ländern nahmen am Gebetsfrühstück im Rahmen der 24. Internationalen Berliner Begegnung teil. Foto: idea/Daniela Städter

Berlin (idea) – „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir in Frieden leben können.“ Das betonte der Staatsminister des Innern in Bayern, Joachim Herrmann (CSU), am 7. Juni bei einem Gebetsfrühstückstreffen in Berlin. Es fand statt im Rahmen der 24. Internationalen Berliner Begegnung (6. bis 8. Juni). Unter dem Motto „Suche Frieden und jage ihm nach“ nehmen rund 350 Politiker, Diplomaten, Kirchenvertreter und Führungskräfte aus 48 Ländern daran teil. Sicherheit könne nur gewährleistet werden, wenn Menschen für diesen Frieden beteten und arbeiteten, so Herrmann. Er rief ferner dazu auf, Fluchtursachen zu bekämpfen. Nur so könne die Zahl der nach Europa Flüchtenden gesenkt werden. „Auch das ist unsere Verantwortung vor Gott und den Menschen: dass kein Kind mehr verhungern muss.“

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Steffen Bilger (CDU): Das Gebetsfrühstück tut Politikern gut

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger (CDU), sagte in einem Grußwort, das Gebetsfrühstück, das während der Sitzungswochen jeden Freitag im Bundestag stattfinde, tue den teilnehmenden Abgeordneten gut. Neben dem Austausch über Herausforderungen sei man sich dort sehr bewusst, dass es auch in den anderen Fraktionen Abgeordnete gebe, die eine gute Arbeit machten, so der Bundestagsabgeordnete. Der Staatspräsident der Republik Albanien, Ilir Meta, erinnerte daran, dass die Länder auf dem Balkan in der Vergangenheit schwere Zeiten hatten. Er bete dafür, dass in den Staaten ein dauerhafter Frieden durch Koexistenz geschafft werde.

Kolumbien: Christen wollen Frieden stiften

Der Leiter der christlichen Rehabilitationseinrichtung „Seehaus“ in Leonberg bei Stuttgart, der Sozialpädagoge Tobias Merckle, berichtete in einem Seminar der Internationalen Berliner Begegnung über die Versöhnungsarbeit von Christen in Kolumbien. In einem rund 50-jährigen Bürgerkrieg starben rund 220.000 Menschen, mehr als sieben Millionen wurden vertrieben. Am 26. September 2016 beendeten die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) und die Regierung unter Präsident Juan Manuel Santos den bewaffneten Konflikt. Doch es gibt weiterhin bewaffnete Gruppen, andere kehrten aus Enttäuschung über nicht eingehaltene Versprechen der Regierung – etwa weil eine Landreform nicht umgesetzt wurde – zu den Waffen zurück. Der Friedensvertrag sei eine große Chance, aber damit der Frieden halte, müsse eine umfassende und dauerhafte Versöhnungsarbeit stattfinden, so Merckle. Christen hätten dabei eine wichtige Rolle. Es gebe Versöhnungsseminare etwa für Justizbeamte, Richter, Senatoren und Kirchenvertreter. Zudem fänden seit 2004 Täter-Opfer-Gespräche unter anderem in Gefängnissen statt. Es sei oft ein schwieriger und langwieriger Austausch, doch am Ende stehe häufig die Bitte um Vergebung. In den meisten Fällen werde sie angenommen, aber niemand könne zum Vergeben gezwungen werden, sagte Merckle.

„Dörfer der Versöhnung“

Die kolumbianische Partnerorganisation „Confraternidad Carcelaria de Colombia“ (CCC), die vom Seehaus unterstützt wird, gründe ferner seit 2013 „Dörfer der Versöhnung“. Dort gestalten Merckle zufolge Täter und Opfer des Bürgerkriegs zusammen ihre Zukunft. Ex-Guerillas, Paramilitärs und Opfer des Konflikts nähmen daran teil und arbeiteten gemeinsam, um zerstörte Infrastruktur in ihren Dörfern aufzubauen: „Es geht um Versöhnung statt Rache, Freundschaft statt Feindschaft, Zukunft statt Vergangenheit.“ Man müsse immer bedenken, dass viele Täter zuerst auch Opfer waren. Viele seien als Kinder von Guerilla-Truppen entführt und zum Töten gezwungen worden.

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