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An der Spitze: cft-Konferenz in Kaltbrunn
15. September 2020

Ganz oben ist die Luft besonders dünn

Die ehemalige Profi-Snowboarderin Ursula Bruhin und alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann an der cft-Jahreskonferenz. Fotos: Hartmut vom Bey
Die ehemalige Profi-Snowboarderin Ursula Bruhin und alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann an der cft-Jahreskonferenz. Fotos: Hartmut vom Bey

Kaltbrunn (idea) - Einiges wurde umdisponiert: Die cft-Tagung vom 12. September Kaltbrunn wurde kurzfristig vom Hof Oberkirch in die grosse örtliche Mehrzweckhalle "Kupfentreff" verschoben und der angekündigte Top-Referent Thomas Middelhoff kann aufgrund der Pandemie in diesem Jahr keine Auftritte wahrnehmen. Der ehemalige CEO von Bertelsmann und Arcandor leidet seit seinem Gefängnisaufenthalt an einer Autoimmunerkrankung. Alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann hingegen liess sich trotz vorgängiger Unkenrufe in der Presse nicht davon abhalten, nach Kaltbrunn zu reisen.

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"Dä Gring häre ha"

Ladina Spiess als Moderatorin des Anlasses und Urs Hunziker, Vorstandsmitglied von cft, begrüssten die rund 150 Anwesenden, darunter Überraschungsgast Nicola McDermott, eine 24-jährige erfolgreiche australische Hochspringerin. Die Jahreskonferenz stand unter dem Titel "An der Spitze". Anschaulich verglich Spiess das Gefühl an der Spitze mit ihrem eigenen Aufstieg auf den Dom - dem höchsten, ganz in der Schweiz gelegenen Berg: Früh aufstehen. Hart kämpfen. Dünne Luft. Wenig Platz. Stichworte, die der 68-jährige Unternehmer und alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann in seinem Referat bestätigte. Der Patron und Familienmensch sagte, seine Kinder, damals 30- und 32-jährig, hätten ihn für den Schritt in den Bundesrat ermutigt: "Wenn du in Bern 'di Gring häre hesch', dann tun wir dasselbe in der Firma." Schneider Ammann war sich eines bewusst: "An der Spitze prägt man die Kultur und ist Vorbild." So wollte er stets einen guten Dialog führen - egal, mit wem er am Tisch sass. Glaubwürdigkeit bezeichnete der alt Bundesrat als seine Maxime. Tosenden Applaus brachte Schneider-Ammann seine Feststellung ein, dass er all sein Engagement als Präsident eines Wirtschaftsverbandes, als Unternehmer, später als Bundesrat, nicht hätte bewerkstelligen können, wenn nicht seine Frau sich so selbstlos in der Familie engagiert hätte.

Am Start gefroren

Auch Ursula Bruhin, vierfache Welt- und sechsfache Schweizermeisterin im Snowboarden, bestätigte, dass sehr viel Ehrgeiz und Fleiss nötig sind, um sich an die Spitze zu kämpfen: "Ich musste oft die Zähne zusammenbeissen und habe mich manchmal gefragt - nicht zuletzt, wenn ich im Starthaus fror -, warum ich mir das antue." Hart landete die gläubige Spitzensportlerin dann aber nach ihrem Rücktritt. Nach unzähligen Adrenalinschüben, vier Stunden Training pro Tag und anstrengender Sponsorensuche war der Tank plötzlich leer. Existenzangst, Langweile, Unterforderung griffen nach ihr. Doch Bruhin erlebte, dass sie nicht tiefer als in Gottes Hand fiel - auch dank einem guten Umfeld mit Menschen, die ein offenes Ohr für sie hatten.

Abgerundet wurde die Jahreskonferenz durch geistliche Impulse von Pastor Michael Müller aus Bensheim. Er betonte, dass Menschen in leitenden Positionen in Jesus eine geniale "Führungskraft" für ihre Lebensreise finden.

Gemäss eigenen Angaben macht sich die Organisation Christianity for today (cft Schweiz) stark für christliche Werte in der Gesellschaft. Sie verteidigt unter anderem die Familie - ein Mann und eine Frau, verheiratet, und deren Kinder - als Grundlage einer intakten Gesellschaft.
(Autorin: Helena Gysin)