Samstag • 20. Oktober
Studie
10. Oktober 2018

Forscher: Retortenkinder haben höhere gesundheitliche Risiken

Über die Risiken der künstlichen Befruchtung gibt es neue Erkenntnisse. Foto: picture-alliance/imageBROKER
Über die Risiken der künstlichen Befruchtung gibt es neue Erkenntnisse. Foto: picture-alliance/imageBROKER

Bern (idea) – Kinder, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, haben ein höheres Risiko für bestimmte Erkrankungen, zum Beispiel Bluthochdruck. Das geht aus einer Studie in der Schweiz hervor, über die die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und das Ärzteblatt (Köln) berichten. Gemeinsam mit einer Forschergruppe begleitet der Kardiologe am Inselspital Bern, Urs Scherrer, seit mehreren Jahren 54 Jugendliche und junge Erwachsene, die im Labor gezeugt wurden. Messungen hätten beispielsweise ergeben, dass das Risiko für einen Bluthochdruck bei ihnen um das Sechsfache wahrscheinlicher ist, als bei natürlich gezeugten Kindern, weil ihre Blutgefäße früher altern. Scherrer: „Wir können somit belegen, dass die von uns schon früher festgestellten Symptome einer vorzeitigen Gefäßalterung tatsächlich krank machen.“ Der Kardiologe fordert darum eine Informationspflicht für die Betroffenen, sodass Kinderärzte oder Spezialisten bei Untersuchungen den Aspekt der künstlichen Befruchtung von vornherein berücksichtigen können. Gezieltes Vorbeugen sei nur möglich, wenn der Arzt um die Risiken wisse. Laut FAZ haben Vertreter der Reproduktionsmedizin kritische Stimmen lange Zeit zurückgewiesen. So machten sie zu Beginn beispielsweise das Alter und den Gesundheitszustand der Eltern für häufig auftretende Missbildungen der Neugeborenen verantwortlich. Doch nun würden Erkrankungen unter den betroffenen Kindern erstmalig richtig wahrgenommen.

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Auffälligkeiten auch in den schulischen Leistungen der Retortenkinder

Auch bei den schulischen Leistungen der Retortenkinder zeigen sich Auffälligkeiten. So ergab eine schwedische Studie mit Neunjährigen aus natürlicher sowie künstlicher Zeugung, dass letztere gegenüber der Vergleichsgruppe schlechter abschnitten. Wie ein internationales Expertenteam kürzlich im britischen Fachjournal für Reproduktionsmedizin „BJOG“ schrieb, sind viele der Eingriffe zudem gar nicht erforderlich. Etwa die Hälfte der Paare, die eine Kinderwunschpraxis in Anspruch nähmen, seien demnach nur vermeintlich unfruchtbar und könnten ihre Kinder eigentlich auch auf natürlichem Wege bekommen. Gerade die ICSI-Methode (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion), bei der nur eine einzige Samenzelle mit Hilfe einer Spritze direkt in die Eizelle eingebracht wird, bringe den Kliniken oder Praxen jedoch viel Geld ein, „mitunter ein Plus von mehreren Tausend Euro“. In einigen Ländern werde die Behandlung darum auch ohne eine bestehende Notwendigkeit vorgenommen. Das erste Retortenbaby, Louise Joy Brown, kam 1978 in Großbritannien zur Welt. Laut dem Deutschen Register für In-vitro-Fertilisation („Befruchtung im Glas“) sind in Deutschland seitdem mehr als eine Viertelmillion Kinder durch künstliche Befruchtung entstanden. Weltweit liegt die Zahl laut der Datensammlung ICMART bei acht Millionen.

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