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Mehr Scheidungen?
01. Juli 2019

Die Wahrheit um die Scheidungszahlen

Bild: Livenet/unsplash/rawpixel
Bild: Livenet/unsplash/rawpixel

Bern (idea) – Eine Scheidung ist fast immer eine traumatische Erfahrung. Für die beiden Ehepartner, für ihre Kinder, aber auch schmerzhaft für Angehörige und Freunde. Wenn sich nach wie vor zwei von fünf Paaren scheiden lassen, ist das erst einmal keine gute Nachricht.

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Fast zehnjährige positive Entwicklung

Doch wer erinnert sich noch, dass vor wenigen Jahren die übliche Schlagzeile hiess: Fast jedes zweite Paar lässt sich scheiden. Während sich 2018 16'542 Paare scheiden liessen, waren es 2010 viel mehr mehr, und zwar 22'081, also rund jede zweite Ehe. Dann sanken die Scheidungszahlen kontinuierlich bis auf 15'900 im Jahr 2017. Die Scheidungszahlen von 2018 liegen immer noch tiefer als diejenigen von 2003 bis 2016.

Verlagerung auf ältere Paare

Nach dem Höhepunkt der Scheidungszahlen von 2010 geht die Kurve stets abwärts. Dabei wird beobachtet, dass die Scheidungen in den ersten 15 Ehejahren stark gesunken sind, während sie danach steigende Tendenz haben. 30 Prozent der Scheidungen erfolgen heute nach über 20 Ehejahren! Der Zürcher Paarforscher Prof. Guy Bodenmann führt dies darauf zurück, dass es bei älteren Paaren oft am Commitment fehlt, also dem Willen, der Ehe Sorge zu tragen und die Liebe zu pflegen. Wenn dann plötzlich eine attraktive Drittperson auftaucht, kann dies zur Auflösung der Ehe führen. Faktoren wie Stress im Beruf können ebenfalls die Basis der Ehe allmählich zersetzen.

Hoher Ausländeranteil – die kulturelle Herausforderung

Auffällig ist zudem, dass mit 6'941 Scheidungen weniger als die Hälfte auf eine Ehe zwischen einem Schweizer und einer Schweizerin zurückgeht. Bei 5'731 Scheidungen ist der Partner oder die Partnerin Ausländer bzw. Ausländerin. Bei 3'870 Paaren sind beide Ausländer. Das lässt darauf schliessen, dass kulturelle Unterschiede eine Herausforderung für die Ehe sind. Die Zunahme der Scheidungen von 2017 bis 2018 geht zum grössten Teil auf Trennungen zurück, wo mindestens einer der beiden Partner Ausländer ist. Die Zunahme beträgt bei Schweizer Paare gerade mal 0,6 Prozent, während sie bei gemischt-nationalen Paaren 3,0 Prozent und bei ausländischen Paare 12,4 Prozent ausmacht. (Autor: Fritz Imhof/Livenet)


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