Samstag • 25. März
Kurt Beutler
14. März 2017

Warum dieses Land anders ist

Kurt Beutler:
Kurt Beutler: "Wir müssen uns auf die Wurzeln zurückbesinnen." Fotos: idea/rh; fontis

(idea/Livenet) - Kurt Beutler studierte in Bern und London Theologie und arbeitete dann als Pastor in Bern. Nach mehreren Auslandsaufenthalten in Japan, Ägypten und im Libanon ist er nun interkultureller Berater bei MEOS in Zürich. Was die Schweiz anbelangt wird er deutlich: "Der Einfluss des christlichen Glaubens in der Schweizer Geschichte ist riesig. Ich glaube, dass eine Rückbesinnung jetzt dran ist, weil es bei der gegenwärtigen Bedrohung nicht mehr angeht, dass wir unseren eigenen Glauben und die eigenen Wurzeln mit Füssen treten. Es geht darum, zu einer neuen Wertschätzung zu finden, um anderen Religionen und Immigranten mit Selbstbewusstsein begegnen zu können. Fest und stark in dem Wissen, was uns im Tiefsten zusammenhält." Im Buch "Die Schweiz und ihr Geheimnis - warum die Schweiz anders ist" (fontis) zeigt er auf, weshalb sich die humanitäre Hauptstadt der Welt ausgerechnet in der Schweiz entwickeln konnte. Und er rät zu einer Rückbesinnung.

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Die Schweiz beruht auf einem Bund

"Die Schweiz beruht im Gegensatz zu den meisten Ländern nicht auf dem Zusammenhalt einer Ethnie, sondern eines Bundes. Diese Tatsache hat im Laufe der Geschichte eine unerwartete Dynamik entwickelt, von der sie auf vielseitige Weise profitiert hat", erklärt der Autor. Anders ist die Schweiz ausserdem, weil "der Bund von Anfang an auf Gleichheit der Bürger ausgerichtet war, gegen Machtstrukturen und Schmiergelder." Deshalb sei sie beispielsweise ein fruchtbarer Boden für ein breites Engagement ausserhalb der Landesgrenzen. "Es ist kein Zufall, dass sich die weltweite humanitäre Weltstadt ausgerechnet in der Schweiz entwickeln konnte."

Fremde für den Bund begeistern

Kurt Beutler rät zu einer Rückbesinnung. Er empfiehlt: "Der Bund wurde vor Gott geschworen. Das Verblüffende ist, dass Gott die Schweiz rettete, als sie unterging." In der Geschichte sei dies gut dokumentiert. "Verblüffenderweise lesen wir derartige Gedanken sogar bei liberalen Denkern der damaligen Zeit nach." Die Wurzeln der Schweiz würden somit nicht in einer ethnischen Gemeinschaft gründen, sondern im Vertrauen auf Gott. Dies sei heute noch wichtig. Zudem erläutert Kurt Beutler: "Weil wir kein Nationalstaat sind, bedroht die Einwanderung der Asylanten unser Volk nicht. Solange wir sie für unseren Bund begeistern können, wird unser Land nicht geschwächt."

"Hier ist ein ganz anderes Umfeld"

Kurt Beutler arbeitet als interkultureller Berater für die MEOS in Zürich. Der mit einer Ägypterin verheiratete Schweizer lebte für längere Zeit in Ägypten und im Libanon und spricht vorzüglich Arabisch. Die Sprachkompetenz setzt er im Alltag ein: "Ich besuche Asylsuchende arabischer Sprache und biete meine Hilfe an, sowohl praktischer Art als auch Gebet." Dabei berühre ihn, "wie zerbrechlich das menschliche Dasein ist". Gleichzeitig erlebe er immer wieder, wie Menschen aus dem arabischen Raum in der Schweiz zu Christus finden. Beutler erklärt sich dies so: "Gerade gestern sagte jemand: 'Wenn du mir in Syrien gesagt hättest, Jesus sei Gottes Sohn, so wäre ich zornig geworden. Aber hier ist ein ganz anderes Umfeld. Hier konnte ich das in aller Ruhe und ohne Druck durchdenken und jetzt macht es Sinn!'" Kurt Beutlers neues Buch ist eine moderne Liebeserklärung ein Land, das so viel mehr zu bieten hat als hohe Berge, Käsefondue und zartschmelzende Schokolade. (Autoren: Daniel Gerber, Livenet; Rolf Höneisen, idea)

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