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01. August 2018

Die Schweiz hat der Welt viel gegeben

Eine riesige Schweizer Fahne wird am Säntis aufgehängt. Foto: Säntis, der Berg/Facebook
Eine riesige Schweizer Fahne wird am Säntis aufgehängt. Foto: Säntis, der Berg/Facebook

(idea) - "Bis dann fliesst noch viel Wasser den Rhein runter", sagt ein Sprichwort. Wieviel das ist, kann man bei einem Ausflug an die Dreiländerecke bei Basel eindrücklich sehen. Und all dieses Wasser ist ein Geschenk an den Norden Europas. Der Tessin, der Inn und die Rhone beschenken auch den Süden, Osten und Westen. Wer die vier Flüsse zeichnet, fühlt sich unwillkürlich an ein Kreuz erinnert. Ob man dies nun als Zufall ansieht oder nicht: Es ist das Kreuz, das nicht nur über der Geographie, sondern auch über der Geschichte unseres Landes geschrieben steht. Als klein und unscheinbar müsste unser Land eigentlich gelten, ganz ähnlich wie etwa Bhutan, ein flächenmässig vergleichbarer Bergstaat im Inneren Asiens. Wer weiss schon etwas Konkretes über Bhutan? Die Schweiz dagegen ist überall bekannt, weil sie nicht nur einen Superlativ um den anderen aufzuweisen hat, sondern weil von ihr auch mehrfach ganz neuartige Bewegungen ausgegangen sind. Und wo man nachgräbt, stösst man früher oder später auf Wurzeln mit Kreuzform.

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Nichts ist selbstverständlich

Ich sage das jetzt nicht, weil ich patriotisch bin. Ganz im Gegenteil, ich bin eigentlich ein Ausgewanderter und habe eine wunderbare Ägypterin geheiratet, weil ich die feste Absicht hatte, für immer im Nahen Osten zu bleiben. Aber wie das Leben so ist: Den Wert der Schweiz habe ich im Ausland entdeckt. Und nicht zuletzt durch meine Frau, die meine Augen für so manches geöffnet hat, was mir als selbstverständlich galt. Dabei lernte ich eine wichtige Lektion: Nichts und auch gar nichts ist selbstverständlich. Alles hat seine Gründe.

Kleines Land mit grosser Bedeutung

Die Schweiz bedeckt ja weniger als einen Dreitausendstel der Erdoberfläche. Sie hätte ein abgeschnittenes Bergland werden können, dessen Namen kaum jemand kennt. Doch zu meiner Überraschung habe ich Asylbewerber getroffen, die ganz bewusst von weither gekommen und die Schweiz als Ziel ihrer Reise gewählt haben, weil sie davon überzeugt waren, dass sie nirgends auf der Welt Gerechtigkeit erfahren würden als nur in Helvetien. Und tatsächlich kann Genf ohne Übertreibung als die weltweite Hauptstadt der humanitären Organisationen bezeichnet werden.

Henry Dunant, ein Jünger Jesu

Das alles begann interessanterweise mit Henry Dunant, einem Kind der Genfer Erweckung. Er opferte alles, um die Regierungen Europas an einen Tisch zu bringen. Zuerst waren es acht, dann zwölf Staaten, die seine verrückt klingenden Paragraphen unterschrieben und sich dazu verpflichteten, während den zukünftigen Kriegen die Sanitäter zu respektieren, welche nicht nur die eigenen, sondern auch die gegnerischen Verwundeten verarzten. Und dieser Mann - der durchaus auch seine Fehler hatte - sagte am Ende seines Lebens: "Ich wollte nie etwas anderes sein als ein Jünger Jesu".

Grundlage ist ein Bund

Inzwischen sind durch das Rote Kreuz in unzähligen Kriegen Millionen von Menschenleben gerettet worden, ganz abgesehen von allen anderen Nebenwirkungen dieser bis heute einzigartigen Organisation. Dass das "Rote Kreuz" aber ausgerechnet im Land des "Weissen Kreuzes" entstand, hat nicht nur mit seinem Gründer, sondern mit der Einzigartigkeit unseres Staates zu tun. Dieser ist nämlich, im Gegensatz zu den meisten Ländern, nicht aufgrund eines Volkes entstanden. Wir sind kein einheitliches Volk wie etwa die Deutschen oder die Italiener. Die Grundlage der Schweiz war von Anfang an ein Bund, den sich die Väter vor über 700 Jahren geschworen haben.

Kampf gegen Vetternwirtschaft früh unterbunden

Bei einer Mietänderung geschah es, dass ich doppelt bezahlte. Das war mir gar nicht bewusst. Aber der Hausbesitzer schickte mir am Neujahr eine Monatsmiete zurück. Das erstaunte meine Freunde aus dem Ausland. Sie sagten: "Wenn das bei uns geschehen wäre, so hätte der Hausbesitzer noch eine Miete dazu verlangt, weil er deine Schwäche entdeckt und ausgenutzt hätte." Selbstverständlich, dass mir die Steuern zurückbezahlt werden, die ich im Voraus zu viel bezahlt hatte? Selbstverständlich, dass mir die Krankenkasse tatsächlich die Arztrechnungen vergütet? Alles das erstaunt manche Neuankömmlinge. In vielen Ländern kann man bis heute von so etwas nur träumen. Doch das geht letztlich alles darauf zurück, dass unsere Väter in weiser Voraussicht schon bei der Staatsgründung unter anderem schworen, dass sie keinem Fremden den Richterstuhl gegen Geld geben würden. Oder anders gesagt: Den Kampf gegen Schmiergeld und Vetternwirtschaft hat sich die Schweiz schon von Anfang an ganz zentral auf die Flagge geschrieben. Und das zu einer Zeit, als sogar der Papst seinen Stuhl mit Geld erkaufte.

Hauptkapital: Gegenseitiges Vertrauen

Damit brachen die Schweizer mit der vorherrschenden europäischen Kultur. Sie befanden sich damit aber nicht nur in den Fussstapfen Jesu, der Ehrlichkeit und Treue bis in den Tod vorlebte, sondern auch der alten Propheten. Schon im Gesetz des Moses (2. Mose, Kapitel 23, Vers 8) steht ja: "Nimm kein Bestechungsgeld an! Denn das Bestechungsgeld macht den Sehenden blind." Der Reichtum der Schweiz beruht nicht auf natürlichen Bodenschätzen, sondern auf der Überzeugung, dass jede Arbeit - und sei sie auch noch so unwichtig - mit aufopfernder Genauigkeit und bester Qualität ausgeführt werden muss. Und aus dem gegenseitigen Vertrauen, das aus einer derartigen Einstellung entsteht. Historiker haben genau diese Einstellung "das protestantische Arbeitsethos" genannt, das viel zum modernen Wohlstand Europas beigetragen hat.

Was uns die Geschichte lehren würde...

Leider haben die meisten modernen Schweizer nie von derartigen historischen Tatsachen gehört. Sie werden in Schule und Medien gelehrt, dass Gott und die Kirche an allem Bösen in der Geschichte Europas und der Schweiz schuld seien und gottlose Aufklärer die moderne Welt gegen den Widerstand der Christen aufgebaut hätten. "Humanismus" ist das Schlagwort. Der Mensch ohne Gott soll es sein, der die heile Welt erschafft. Die Geschichte lehrt genau das Gegenteil. Und wenn wir ihr nicht glauben, werden wir alles verlieren, was wir jetzt noch für selbstverständlich halten. (Autor: Kurt Beutler; Quelle: Livenet)

Kurt Beutler: "Die Schweiz und ihr Geheimnis" fontis, Basel

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