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Missionarin
29. Januar 2020

Coronavirus und Quarantäne: Wie Christen in Wuhan damit umgehen

Viele Chinesen nutzen Atemmasken oder einen Mundschutz, um sich vor dem Erreger des Coronavirus zu schützen. Foto: picture-alliance/Xinhua
Viele Chinesen nutzen Atemmasken oder einen Mundschutz, um sich vor dem Erreger des Coronavirus zu schützen. Foto: picture-alliance/Xinhua

Wuhan (idea) – China befindet sich wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus, einem Erreger von Lungenerkrankungen, im Ausnahmezustand. Besonders betroffen ist die elf Millionen Einwohner zählende Stadt Wuhan, die als Ausgangsort des Virus gilt.

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Die zunehmenden Erkrankungen haben auch Konsequenzen für die christlichen Gemeinden. Das berichtete die Mitarbeiterin eines Missionswerks mit Sitz in Deutschland der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Ihren Namen möchte sie nicht nennen, um ihren weiteren Dienst in China nicht zu gefährden. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie seit Jahren eine von ihnen selbst gegründete Gemeinde.

Wuhan in der zentralchinesischen Provinz Hubei steht seit dem 23. Januar unter Quarantäne. Ein- und Ausreisen sind nur mit Sondergenehmigung möglich. Mittlerweile haben die chinesischen Behörden auch weitere Städte isoliert. Die Missionarin, die sich derzeit in Deutschland befindet, steht über die Sozialen Medien und per Telefon mit den Christen vor Ort in Kontakt. Demnach arbeiteten die Krankenhäuser am Limit. Auch führen keine Busse, Bahnen oder Taxen mehr, und die Lebensmittelpreise seien enorm gestiegen.

Predigten werden über das Internet gehört

Weil die Bewohner Wuhans angehalten seien, in ihren Wohnungen und Häusern zu bleiben, gebe es in vielen Gemeinden vorübergehend auch keine Gottesdienste. Stattdessen stellten Pastoren die Predigten und Lieder ins Internet.

Auch gebe es Aufrufe, die freie Zeit zu nutzen, um für Kranke, medizinisches Personal sowie Verantwortliche in Politik und Gesellschaft zu beten. Außerdem wird ermuntert zu fasten und vermehrt die Bibel zu lesen. „Wir warten nicht passiv ab, wie die Sache ausgeht, sondern erklären aktiv den Sieg Jesu“, heißt es einem aktuellen Aufruf.

Christen geben das Evangelium weiter

Sie selbst habe mit einer Familie aus ihrer Gemeinde gesprochen, in der drei Personen infiziert seien. Im Gegensatz zur allgemeinen Lage seien sie – wie auch die anderen Christen – weniger panisch, weil der Glaube ihnen Kraft schenke. Zudem unterstützten sie sich gegenseitig.

Viele Christen, die zum chinesischen Frühjahrsfest in andere Provinzen verreist seien, hätten in den Hotels keine Zimmer bekommen, weil sie aus Wuhan oder der Region stammten: „Daraufhin haben Christen angeboten, ihre Glaubensgeschwister aufzunehmen.“ Der Missionarin zufolge empfinden die Christen eine ungewöhnliche Offenheit der Menschen in dieser Krise. Sie gäben auf sehr unterschiedliche und kreative Weise das Evangelium weiter, „sei es im offenen Gespräch auf der Straße, im Internet oder auch durch das gemeinsame Anschauen von evangelistischen Videos mit noch nicht gläubigen Familienangehörigen“.

Offiziellen Angaben zufolge gibt es aktuell mehr als 6.000 bestätigte Infektionen in China. Die Zahl der Todesfälle stieg auf mehr als 130. Am 27. Januar gab das bayerische Gesundheitsministerium den ersten Infektionsfall in Deutschland bekannt. Die Zahl stieg zuletzt auf vier Fälle an.