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„Digitale Diktatur“
06. Juni 2019

Christen sollten sich digitaler Geltungssucht und Gier verweigern

Der Ärztliche Direktor der christlichen Klinik Hohe Mark, Martin Grabe. Archivbild: Screenshot ideaHeute
Der Ärztliche Direktor der christlichen Klinik Hohe Mark, Martin Grabe. Archivbild: Screenshot ideaHeute

Würzburg (idea) – Christen sollten sich digitalen Angeboten verweigern, die Geltungssucht und Gier fördern. Diese Ansicht vertrat der Ärztliche Direktor der christlichen Klinik Hohe Mark (Oberursel bei Frankfurt am Main), Martin Grabe, auf dem 10. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge, der vom 5. bis 8. Juni in Würzburg stattfindet. Der Kongress mit 850 Teilnehmern beschäftigt sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung. Grabe zufolge gehört es zu den Aufgaben der Christen, die Probleme des Internets zu benennen und „Unfreiheit und digitale Diktatur anzuprangern“. Die Digitalisierung mache zwei Schreckensszenarien möglich: 1. Roboter übernehmen die meiste praktische Arbeit. Profitieren werden davon nur wenige Menschen, während die Bevölkerungsmehrheit mit „Spielen und Cybersex“ abgefüttert wird. 2. Eine Schreckensherrschaft mit völliger Kontrolle entsteht: „Fast alle Menschen müssen mit implantierten Chips leben, ohne jede Bewegungsfreiheit, unter völliger Gleichschaltung und unter ständiger Angstspannung.“ Als Beispiel dafür nannte Grabe die digitale Gesichtserkennung durch Überwachungskameras in China, wobei ein „Sozialkreditsystem“ Zahlungsmoral, Strafregister, Einkaufsgewohnheiten, Treue zur Kommunistischen Partei und soziales Verhalten jedes Bürgers erfasst. Problematisch sei auch die „Überwachungswut“ von Internetkonzernen wie Amazon, Google, Microsoft und Facebook. Sie sammelten Millionen von Daten über jeden Nutzer, um dessen Entscheidungen zu prognostizieren.

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Smartphone als „frei zugängliches Suchtmittel“

Laut Grabe ist die Digitalisierung der größte und rasanteste Innovationsschub der Weltgeschichte. Praktisch alle Menschen seien gleichzeitig betroffen. Zwar böten Soziale Medien und das Internet die Chance, weltweit und kostenlos zu kommunizieren. Dies sei jedem vor 20 Jahren noch wie eine „unerfüllbare Schlaraffenland-Utopie“ vorgekommen. Zugleich wachse die Abhängigkeit. So sei das Smartphone für viele zum „frei zugänglichen Suchtmittel geworden, mit dem jederzeit der Alltagsstress ein bisschen betäubt werden kann“. Im Umgang mit digitalen Medien gelte es, eine „gesunde Balance“ zu finden. Veranstalter des Kongresses ist die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (Frankenberg/Eder). Sie möchte Begegnungen zwischen Psychotherapie und christlicher Seelsorge in Wissenschaft und Praxis fördern.

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