Samstag • 25. Januar
Debattenkultur
05. Januar 2020

Bedford-Strohm: Soziale Medien dürfen kein Schutzraum für Hetzer sein

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost

Augsburg/München (idea) – Die sozialen Medien im Internet dürfen kein Schutzraum für Hetzer sein. Diese Ansicht vertritt der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München). „Menschen stacheln sich im Netz gegenseitig an und werden immun gegen andere Meinungen“, sagte Bedford-Strohm in einem Interview mit der Zeitung „Augsburger Allgemeine“.

ANZEIGE

Die Menschen, die dort hetzten, bekämen das Gefühl, dass ihre menschenfeindlichen Äußerungen salonfähig seien. Das gelte „zumindest in den Filterblasen, in denen sie sich bewegen“. Das Problem sei, dass sich noch keine Normen für die Nutzung der neuen Technologien entwickelt hätten. Deshalb müssten Regeln für die Verbreitung von Inhalten im Internet aufgestellt werden. „Das beginnt schon bei denen, die die Algorithmen entwickeln – also etwa die Programme dafür, was in sozialen Netzwerken auf welche Weise dargestellt wird“, so Bedford-Strohm. „Es braucht eine Ethik für Programmierer ähnlich der für Ärzte.“

Außerdem müsse es mehr Angebote geben, die die Medienkompetenz stärken. Denkbar seien etwa pluralistisch zusammengesetzte, unabhängige Kontrollgremien für die sozialen Medien, die mit den Rundfunkräten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vergleichbar seien. Dadurch werde die Meinungsfreiheit nicht eingeschränkt. „Hass ist keine Meinung. Überall, wo die Verächtlichmachung und Sabotage der Menschenwürde öffentlich propagiert wird, kann man sich nicht auf die Meinungsfreiheit berufen.“

Morddrohungen sind nicht hinnehmbar

Nicht hinnehmbar seien etwa Morddrohungen in sozialen Medien, sagte der Ratsvorsitzende. Als Beispiel nannte er Drohungen gegen Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks in Zusammenhang mit dem satirischen Lied „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“. Die umgedichtete Fassung von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ hatte zu einem Sturm der Entrüstung geführt und war vom Sender gelöscht worden. Tausende Zuschauer sahen darin eine Beleidigung älterer Menschen.

Er selber sei Opa und habe sich durch das Lied „in keiner Weise angegriffen gefühlt“, erklärte Bedford-Strohm. Unabhängig von der Beurteilung des Beitrags müssten die Morddrohungen von der Polizei verfolgt werden, auch wenn sie nicht zu Taten führen sollten.

Der Ratsvorsitzende sagte weiter, auch er habe vor allem im Zusammenhang mit seinem Engagement in der Seenotrettung von Flüchtlingen konkrete Drohungen erhalten. Er nehme sie „nicht sehr ernst“.

Diese Woche lesen Sie
  • Wortkunst „Sent“ präsentiert das Matthäusevangelium neu
  • Theologie Es geht vor allem um Kommunikation
  • Interview Christian Stettler über das Kreuz Christi
  • Gemeinde Christian A. Schwarz über Veränderungen in der Kirche
  • mehr ...