Sonntag • 31. Mai
Corona-Krise
24. März 2020

Arboner Politiker rufen zum Gebet auf

Andrea Vonlanthen (72, SVP):
Andrea Vonlanthen (72, SVP): "Jetzt beten wir umso mehr." Foto: idea/rh

Arbon (idea/rh) - In Arbon TG rufen acht Politiker inklusive Stadtpräsident Dominik Diezi zum Beten in der Zeit der Corona-Krise auf. Das ist ungewöhnlich. In der Regel sind es ja die Kirchen, die Gebetsaufrufe starten. In der Stadt am Bodensee ist dies anders. Den Anstoss dazu gab SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen (72). In Arbon findet auch regelmässig eine von Politikerinnen und Politikern getragene Bettagsfeier statt.

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Gebets-Initiant unter Quarantäne

Für Andrea Vonlanthen, dem ehemaligen Chefredaktor von ideaSpektrum, ist Beten kein Fremdwort. Seine Frau Marianne und er sind überzeugte Christen. Das Gespräch mit Gott gehört zu ihrer Lebensgestaltung. Täglich beten sie gemeinsam. "Jetzt in der Corona-Krise umso mehr", sagt Vonlanthen. Noch bis Ende Mai ist er Mitglied im Grossen Rat. Nach 20 Jahren tritt er zurück. Zurzeit sitzt der engagierte Politiker allerdings in seiner Wohnung in Arbon, und zwar unter Quarantäne. Seit dem 21. März steht fest, dass Marianne Vonlanthen das Coronavirus in sich trägt. Ihr Mann wurde gar nicht erst getestet. Er trage aber das Virus mit grosser Wahrscheinlichkeit ebenfalls in sich. Symptome hat er praktisch keine. Seine Frau leidet an Halsweh, Husten und starker Müdigkeit. Andrea und Marianne Vonlanthen sind zwei von 81 an Covid-19 erkrankten Personen im Thurgau (Stand: 23. März).

Vertrauen auf Gottes Durchtragen

Nun ruft der Initiant der lokalen Bettagsfeier gemeinsam mit Politikern aus verschiedenen Parteien zum Beten auf. "Gerade auch in Zeiten der Krisen und der Angst kann beten eine grosse Hilfe sein, ganz nach dem Leitsatz: Not lehrt beten", wird Andrea Vonlanthen in der Thurgauer Zeitung zitiert. Er habe keine Angst vor dem Virus. Aber grossen Respekt. Und wörtlich sagt er: "Ich habe Gottvertrauen. Ich glaube daran, dass wir da hindurchgetragen werden, und dass wir Hilfe von Gott erhalten, jetzt, wo wir sie suchen."

Eine Vorlage fürs Gebet

Die Politiker bringen zu ihrem Aufruf auch gleich noch eine Gebetshilfe aufs Tapet, und zwar ein Gebet des Innsbrucker Bischofs Hermann Glettler. Glettler hat in einem Brief die Gläubigen dazu aufgerufen, in diesen Wochen mehr zu beten und dazu einen Gebetstext als Hilfe beigelegt. Die Arboner Politiker verwenden eine leicht gekürzte Version von Glettlers Gedanken:

Herr, Du Gott des Lebens,

betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir. Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist und bitten um Heilung für alle Erkrankten. Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie und allen Pflegenden Kraft in dieser extremen Belastung. Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.

Wir danken Dir für alle Frauen und Männer, die gewissenhaft die Versorgung und Infrastruktur unseres Landes aufrechterhalten. Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden. Wir beten für alle, die grossen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben. Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen, berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit, dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.

Von ganzem Herzen flehen wir, dass die Epidemie abschwillt und dass die medizinischen Einrichtungen und Ressourcen den aktuellen Anforderungen gerecht werden können. Wir beten, dass die Zahlen der Infizierten und Erkrankten zurückgehen. Und wir beten dafür, dass in allen Bereichen bald wieder Normalität einkehren wird.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen. Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist. Ja, wir sind sterbliche Wesen und können nicht alles kontrollieren. Du allein bist Ursprung und Ziel von allem, Du allein bist ewig, immer liebend. Dein Heiliger Geist bewahre unsere Herzen in der Dankbarkeit.

Getragen von Deinem tiefen Frieden werden wir die Krise bestehen. Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen, Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht und macht unsere Herzen bereit, offen und aufmerksam füreinander zu sein. Wir danken dir für deine Gegenwart, deine Liebe und deine Güte.

Amen  

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