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Untersuchungsbericht nach Missbrauchsvorwürfen
12. Februar 2021

Zacharias Institut benennt sich um

Der Gründer des internationalen Missionswerkes, Ravi Zacharias (1946–2020). Foto: rzim.org
Der Gründer des internationalen Missionswerkes, Ravi Zacharias (1946–2020). Foto: rzim.org

Atlanta/Köln (IDEA) – Das Zacharias Institut für Wissenschaft, Kultur und Glaube in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird sich einen neuen Namen geben. Das sagte dessen Leiterin Julia Garschagen auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar). Hintergrund sind die Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer des internationalen Missionswerkes, Ravi Zacharias (1946–2020).

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Einem am 9. Februar erschienenen Untersuchungsbericht zufolge ist das sexuelle Fehlverhalten von Zacharias umfassender als bislang angenommen. Demnach hat Zacharias anzügliche Nachrichten verschickt und Frauen unangemessen berührt. Eine Frau soll er vergewaltigt und geistlich missbraucht haben.

Zum Hintergrund: Der Evangelist und Apologet war im Mai 2020 im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens gestorben. Zahlreiche Kirchenvertreter hatten den in Indien aufgewachsenen Autor zahlreicher Bücher nach seinem Tod als wichtige evangelikale Persönlichkeit gewürdigt.

Seine 1984 gegründete Organisation hat Niederlassungen auf allen Kontinenten. In Deutschland gehört das Zacharias Institut für Wissenschaft, Kultur und Glaube dazu. Im August 2020 hatten drei Mitarbeiterinnen zweier Erholungszentren in Atlanta, deren Miteigentümer Zacharias war, schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben.

Nachdem das Missionswerk die Anschuldigungen zuerst zurückgewiesen hatte, beauftragte es schließlich eine Anwaltskanzlei in Atlanta mit der unabhängigen Untersuchung.

Bericht enthüllt sexuelle Übergriffe

Der zwölfseitige Bericht fasst Aussagen von etwa einem Dutzend Massagetherapeutinnen in den USA und im Ausland zusammen: Sechs Frauen gaben an, dass er regelmäßig eine Erektion während der Behandlung gehabt habe. Vier Frauen beschrieben, dass er entweder seine Genitalien berührt oder die Masseurinnen aufgefordert habe, dies zu tun. Fünf erzählten, dass er sie in unangemessener Weise berührt oder massiert habe.

Einige Frauen hätten sich wehren können. Eine Frau berichtete der Untersuchung zufolge „von vielen Begegnungen über einen jahrelangen Zeitraum, die sie als Vergewaltigung beschrieb. Zacharias habe mit ihr anfangs über ihren Glauben und ihre Schulden gesprochen, mit ihr gebetet und sei so zu einer Vaterfigur geworden. Er habe veranlasst, dass sein Werk sie finanziell unterstützte.

Schließlich habe er jedoch Sex von ihr verlangt. Dabei habe er religiöse Ausdrücke verwendet, um die als Christin erzogene Frau gefügig zu machen. Zacharias habe sie als „Belohnung“ für ein Leben im Dienste Gottes bezeichnet und auf die gottesfürchtigen Männer in der Bibel mit mehr als einer Frau verwiesen. Zudem habe er sie zum Schweigen aufgefordert, sonst „wäre sie für die Millionen von Seelen verantwortlich, deren Erlösung verloren gehen würde, wenn sein Ruf beschädigt würde“.

Ferner ergab eine Auswertung seiner elektronischen Geräte, dass er eine Sammlung von mehr als 200 Fotos junger Frauen gespeichert hatte, die meisten davon bekleidet. Nach Angaben der Befragten habe er nach Nacktfotos gefragt, sei aber zurückgewiesen worden.

Missionswerk bedauert Fehler

Der Vorstand der Organisation äußerte sich schockiert über die Ergebnisse und betonte, dass das Verhalten des Gründers im krassen Gegensatz zu den christlichen Werten des Werkes stünden. „Wir sind erschüttert von den Ergebnissen der Untersuchung und voller Trauer um die Frauen, die durch diesen schrecklichen Missbrauch verletzt wurden.“

Gleichzeitig bedauerte das Gremium, dass es 2017 erhobene Missbrauchsvorwürfe nicht ernst genommen habe. Damals hatte sich eine ehemalige kanadische Mitarbeiter des Missionswerks, Lori Anne Thompson, geäußert.

Der Umgang mit ihren Aussagen sei ein schwerer Fehler gewesen und habe ihr und ihrem Ehemann enorme Schmerzen zugefügt. Die Organisation kündigte Hilfen für die Opfer an und will Maßnahmen ergreifen, damit so etwas nie wieder geschehen könne.

Deutsche Institutsleiterin: Aus dem Fall lernen

Ähnlich bestürzt äußerte sich Garschagen gegenüber IDEA. Man verurteile die Taten von Zacharias auf das Schärfste. Das deutsche Institut und seine Niederlassungen in Österreich sowie der Schweiz sähen es als Berufung, Brücken zwischen Wissenschaft, Kultur und Glaube zu schlagen.

Man wolle die Person Jesu Christi auf respektvolle Art und Weise in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten ins Gespräch bringen: „Fest steht, dass das Institut nicht länger den Nachnamen von Ravi Zacharias tragen wird.“ Man arbeite bereits an einer Umbenennung.

Zudem wollten die Mitarbeiter aus dem Fall lernen und sich zu diesem Thema fortbilden. Die eigenen Strukturen würden überprüft, um eine „Kultur von äußerster Transparenz und Rechenschaft“ innerhalb des Instituts zu gewährleisten.