Montag • 24. Juni
Gemeinde „ein Ort der Hoffnung“
01. Juni 2019

„Wir müssen aufhören mit den rechtgläubigen Kleinkriegen“

Der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Christoph Stiba. Foto: idea/Rösler
Der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Christoph Stiba. Foto: idea/Rösler

Kassel (idea) – Durch die Gemeinden des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) sollte ein Ruck gehen. Dazu hat der Generalsekretär der mit über 81.000 Mitgliedern größten deutschen Freikirche, Christoph Stiba (Wustermark bei Berlin), aufgerufen. Die Gemeinden seien inmitten der kaputten Welt „ein Ort der Hoffnung“, sagte Stiba vor dem Bundesrat (Synode) der Freikirche, der vom 29. Mai bis 1. Juni in Kassel tagt. Gottes Liebe zu den Menschen als die stärkste Kraft auf dieser Welt sollte dort erlebt werden können: „Wir müssen Menschen in die Gegenwart Gottes einladen, weil seine Gegenwart heilsam ist.“ Zugleich kritisierte Stiba, dass manche Gemeinden vor allem mit sich selbst beschäftigt seien. Sie stritten sich über ihre theologische Ausrichtung, über ein bibeltreues oder liberales Textverständnis, über die stille oder von Musik begleitete Feier des Abendmahls, über das Liedgut: „Wir müssen aufhören mit diesen rechtgläubigen Kleinkriegen.“ Außerhalb der Freikirchen oder evangelikalen Bewegung interessierten diese Themen niemanden: „Damit drehen wir uns nur um uns selbst.“ Vielmehr gelte es, zusammen mit anderen Konfessionen und Bewegungen in der Mission Gottes aktiv zu werden. Er wünsche sich, dass die Gemeinden seines Bundes dafür bekannt werden, dass sie Hoffnung in ihrer Umgebung verbreiten: „Es gibt keinen Grund, mutlos zu sein“, sagte Stiba unter dem Applaus der Delegierten.

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Präsident Noss: Den Entwicklungen der Welt stellen

Ihr Präsident, Pastor Michael Noss (Berlin), ging in seinem Bericht auf die Anfang Mai bekannt gewordene Prognose der Universität Freiburg ein, wonach die beiden großen Volkskirchen in Deutschland bis 2060 rund die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren werden. Er widersprach der in der Debatte um die Hintergründe mitunter geäußerten Ansicht, der Grund für diesen Abwärtstrend liege darin, dass Gemeinden „einfach nicht fromm genug sind“. Noss: „Darin liegt es sicher nicht.“ Durch solche Auffassungen würden „Menschen abgeschossen, aber nicht aufgebaut“. Sich auf alte Tugenden zurückzubesinnen, helfe auch nicht: „Früher ist vorbei.“ Man müsse sich vielmehr den Entwicklungen einer Welt stellen, die „unfassbar“ seien: „Das tun wir, so gut und fromm wie wir sind.“

Baptistengemeinde Berlin-Schöneberg: Seit 2016 über 300 Iraner und Afghanen getauft

Dazu gehöre es unter anderem, sich um Flüchtlinge und Asylbewerber zu kümmern. Seine Gemeinde Berlin-Schöneberg habe seit 2016 über 300 Iraner und Afghanen getauft. Nur wenige hätten die Gemeinde verlassen, nachdem sie als Asylbewerber anerkannt worden seien. Die Mehrheit engagiere sich dagegen vorbildlich in der Gemeindearbeit. Noss berichtete ferner über einen Besuch des Präsidiums des Bundes im Frühjahr bei den Baptisten in Polen. Der Besuch habe dazu beigetragen, eine neue Sicht über das Land zu erlangen. In den deutschen Medien werde vor allem darüber berichtet, dass das Land sich weigere, Flüchtlinge und Asylbewerber aufzunehmen. Doch tatsächlich lebten rund zwei Millionen Ukrainer in dem Land. Vor allem der kleine Baptistenbund kümmere sich darum, dass sie integriert würden. In Polen gibt es rund 5.000 Baptisten in 85 Gemeinden.

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