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Freikirche
24. Juli 2018

Warum Hillsong junge Leute anzieht

Hillsong ist durch ihre Anbetungsmusik bekannt geworden. Foto: pixabay.com
Hillsong ist durch ihre Anbetungsmusik bekannt geworden. Foto: pixabay.com

Berlin (idea) – Auch wenn Freikirchen im Vergleich zu den beiden großen Kirchen zahlenmäßig winzig sind, ist ihr Zuwachs nicht unbedeutend. Das berichtet die Tageszeitung „Die Welt“ in einem Beitrag unter der Überschrift „Evangelikale Hipster“. Einen Schwerpunkt bildet die Hillsong-Kirche. Es ist eine von Australien ausgehende Gemeindebewegung, die durch ihre Anbetungsmusik bekannt geworden ist. Den Freikirchen gelinge es im Gegensatz zu den „traditionellen“, junge Menschen für sich zu gewinnen, schreibt die Journalistin Kaja Klapsa. Die Gottesdienste bei Hillsong erinnerten an Konzerte, die jungen Pastoren könnten „auffallend gut reden“ und erzählten lustige Anekdoten. Großen Anteil am Erfolg hätten die sozialen Netzwerke, in denen die Freikirche mit professionell produzierten Videos, Podcasts und Instagram-Fotos ihre Zielgruppe erreiche. Zur Berühmtheit von Hillsong habe auch der kanadische Pop-Sänger Justin Bieber beigetragen. Der Pastor der New Yorker Gemeinde, Carl Lentz, gelte als sein enger Freund. Lentz werde von seinen „Fans“ bei Auftritten und im Internet fast „wie ein Rockstar“ gefeiert. Gleichzeitig positionierten sich Hillsong-Pastoren bei Themen wie Sex vor der Ehe und Abtreibung aber „konservativ“, so Klapsa.

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Prof. Schieder: Die Botschaft ist einfach

Laut dem Theologieprofessor Rolf Schieder (Berlin) gehen zu Hillsong Menschen, „die in den klassischen kirchlichen Gottesdiensten nichts mehr finden, was ihnen guttut und einen Erfahrungswert hat“. Dort gebe es ein stärkendes Gemeinschaftserlebnis, man werde „Teil eines größeren Ganzen“. Theologisch würden, so Schieder, die Inhalte wenig hergeben: „Die Predigten sind nicht besonders anspruchsvoll, die Botschaft ist einfach: Lobet den Herren.“ Viele Deutsche würden bei Hillsong allerdings wegen der „ausladenden Emotionen beim Tanzen“ skeptisch werden: „Frömmigkeit ist bei uns für viele etwas ganz Intimes. Man redet viel offener über Sex als über seine Religion.“ Der Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, sagte der Tageszeitung, dass sich seine Kirche zwar nicht mit Hillsong vergleiche, aber schon schaue, was man voneinander lernen könne, etwa die „Rock-Pop-Auftritte“. Beim „Berliner Fest der Kirchen“ am 15. September werde deswegen zum ersten Mal auch Hillsong auftreten.

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